Peter Weibel

Brigitte Huck

1978 gründeten Peter Weibel (Stimme) und Loys Egg (Komposition, Gitarre) die Band Hotel Morphila Orchester. Der einigermaßen schräge Bandname verdankte sich der alten Wiener Tradition der Hotelorchester, der Bedeutung von (Heartbreak) Hotels für die Rockgeschichte und Genres rund um Morpheus, Mephisto und Godzilla. Man trat in Kunstinstituten wie dem Münchner Lenbachhaus oder dem Wiener 20er Haus auf und lieferte hoch passionierte Bühnenshows: 1980 etwa steckte Susanne Widl den Mantel ihres Partners in Brand – der wortreiche Leadsänger machte entflammt weiter.

Als Sprachmaschinist, der die Stadien von konkreter Poesie über Textmontage bis zum Neonpoem bereits durchlaufen hatte, widmete sich Weibel nunmehr dem Existenziellen. Mit der Single Sex in der Stadt landete er seinen ersten echten Hit. In atemlosem Sprechgesang bringt er Kontaktanzeigen im O-Ton zum Vortrag, „billig – mollig – willig“ etwa, als harmloseres Textbeispiel. Nach dem Album Schwarze Energie, erschienen 1982 bei Ariola, war eine Zeit lang Schluss mit lustig. Weibel wandte sich dem eher wagnerianischen Fach der Cyberoper zu, Egg seinem Freestyle gestischer Zeichen.

Nach langjähriger Pause war das Hotel Morphila Orchester im Mai 2011 endlich wieder live auf der Bühne zu erleben: bei einem Konzert mit der Anarchocombo Chicks on Speed im Musée d’art moderne et contemporain de Strasbourg. Im Jänner 2015 wiederum bestritten Wortakrobat Weibel und Gitarrenriffkaiser Egg ein spektakuläres Comeback im Wiener 21er Haus. Mit Hundertschaften von Kunstveteran_innen, deren Kindern und Kindeskindern feierte Weibel im Rahmen seiner Ausstellung den Punk, als gäbe es kein Morgen.

„Dead in the head“, reimte Weibel 1978 – und „sick in the dick“ obendrein. Der Song aus Franz Novotnys grellem Kultfilm Exit … nur keine Panik (1980) ist ein umstürzlerisches Protestlied: Stichworte sind AKWs, vergiftete Erde und gefrierende Medienkanäle, verpackt in gereiften Rock ’n’ Roll. Backstage haben sich die Strukturalist_innen und der Merve-Verlag wohl gewundert, wie farbenfroh das neue Denken sein kann.