The Alma Band

Gegründet 1972

Biografie

Herbert Brandl

geboren 1955 in Amstetten; lebt in Wien und Friedrichshof, Zurndorf, Burgenland

Josef Danner

geboren 1959 in Graz; lebt in Wien

Martin Kippenberger

geboren 1953 in Dortmund; gestorben 1997 in Wien

Albert Oehlen

geboren 1954 in Krefel; lebt in Gais, Appenzell, Schweiz

Markus Oehlen

geboren 1966 in Krefeld; lebt in München

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Martin Kippenbergers und Albert Oehlens Malerkarrieren nahmen ihren Ausgang an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, wo beide, leicht zeitversetzt, Mitte beziehungsweise Ende der 1970er-Jahre studierten. Dort lernten die beiden 1977 einander kennen, um fortan immer wieder – innerhalb eines stetig wachsenden Netzes weiterer Beteiligter – Gemeinschaftsprojekte zu realisierten. Ihre zunächst der »neuen wilden« Malerei zugerechneten, mit der hintersinnigen Deformation herkömmlicher Malereibegriffe operierenden Arbeiten fanden einen ersten gemeinsamen Ausstellungsort in der Galerie Max Hetzler, Stuttgart (später Köln), wo die beiden ab Ende 1980 einzeln, zu zweit oder in diversen darüber hinausgehenden Konstellationen ausstellten. In Ausstellungstiteln wie Bevor ihr malt, mach ich das lieber (Oehlen, 1981) oder Ein Erfolgsgeheimnis des Herrn A. Onassis: Investieren Sie in Öl (Kippenberger, 1981) kam früh schon jener forsch-ironische Gestus auf den Punkt, der ihre Malweise durchgehend prägen sollte.

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Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

Im Zeichen sich erweiternder, genreübergreifender Konstellationen standen (auch) die Aktivitäten, welche Kippenberger und Oehlen in Richtung der damals aufkommenden Neue-Welle- beziehungsweise Geniale-Dilettanten-Musik unternahmen. So eröffnete Kippenberger 1978 in Berlin »Kippenbergers Büro«, eine Art Mini-Factory, und wurde Co-Betreiber des Musikclubs SO36. Gemeinsam mit dem New Yorker No-Wave-Filmemacher Eric Mitchell und der Musikerin Christine Hahn lancierte er 1979 das Bandprojekt Luxus: wildes Appropriieren, antiästhetisches Dilettieren, dazu das provokante Spiel mit gezielten Geschmacksverfehlungen, all das findet sich auf der damals veröffentlichten Doppelsingle.

Albert Oehlen war zur gleichen Zeit in Hamburg in Neue-Welle-Kreisen aktiv. Als Mitglied der Band Nachdenkliche Wehrpflichtige und später der für ein Plattenprojekt so genannten Formationen LSDAP/AO und Männer in nassen Kleidern machte er sich wahlweise am Saxofon oder Xylofon zu schaffen.

Kippenberger wie Oehlen sahen im Musikmachen keine von der Kunst abgekoppelte Parallelbeschäftigung, sondern vielmehr eine Art verlängerten Arm der Malerei: das dort mögliche Ausagieren von körperhafter Motorik, augenzwinkerndem Showgehabe und bewusst in Kauf genommener Peinlichkeit, wie dies in der Malerei nur bedingt möglich war. Als selbstverständlicher Teil der künstlerischen Produktion war die Musik den übrigen Bereichen weder vor- noch nachgeordnet, vielmehr ging es um »Genuss und Ausbau der eigenen Entfremdung und [deren] Umlenkung in eine Stärke«,[1] wie diese Selbstdiversifizierung einmal treffend genannt wurde.

Mitte der 1980er-Jahre erlangte Kippenbergers musikalische Umtriebigkeit insgesamt ihren größten Radius. In gemeinsam mit Albert Oehlen (und anderen) initiierten Projekten wie Die Rache der Erinnerung (gleichnamige LP 1984), The Alma Band, Weiß und Doof oder The Knowhow Knockers sollte dies in ständig neue, stilistisch kaum vor einer Grenze haltmachende Orbits vorangetrieben werden. Oehlen war und ist bis heute an verschiedensten musikalischen Fronten aktiv: als kurzzeitiges Mitglied der »dritten« Reinkarnation von The Red Krayola Mitte der 1990er-Jahre, in der gemeinsam mit seinem Bruder Markus rund um das Jahr 2000 aktiven Formation Van Oehlen oder in jüngster Zeit im Techno- und Electronic-Bereich unter dem Pseudonym Wendy Gondeln.

Bestimmend ist in Kippenbergers und Oehlens Musikprojekten durchgehend ein apodiktisch vorgetragener, vom Ansatz her kakofoner Impetus, der jede tonale Balance und formale Stimmigkeit zu unterlaufen sucht. Wie sehr dies in den gemeinsamen Unternehmungen zum Tragen kommen sollte, zeigen etwa Ausstellungstitel wie My Mother Was a Friend of the Enemy of the People (Galerie Peter Pakesch, Wien, 1984) in Anlehnung an die 1980 veröffentlichte Single der britischen Band Blurt My Mother Was a Friend of an Enemy of the People.


[1] Diedrich Diederichsen, »Der Selbstdarsteller. Martin Kippenberger zwischen 1977 und 1983«, in: Eva Meyer-Hermann, Susanne Neuburger (Hg.), Nach Kippenberger, Wien 2003, S. 56.

In der Ausstellung

In der Ausstellung

The Alma Band

Auftritt bei der Matinee von Christian Ludwig Attersee im 20er Haus Wien, 16. 12. 1984, mit Herbert Brandl (guit.), Josef Danner (perc.), Martin Kippenberger (voc.), Albert Oehlen (guit.), Markus Oehlen (dr.), 3:05 min

Film: Peter Kasperak

Während der Laufzeit der Ausstellung bei Peter Pakesch 1984 trat Kippenbergers und Oehlens Alma Band, ergänzt um Herbert Brandl (Gitarre), Josef Danner (Schlagwerk) und Markus Oehlen (Schlagzeug), am 16. Dezember im Wiener Museum des 20. Jahrhunderts auf. Im Rahmen der sogenannten Attersee-Matinee – der Maler Christian Ludwig Attersee gab eine Reihe von Konzerten und lud dazu ausgewählte Gäste ein – bot die Alma Band ein nicht nur für Wiener Verhältnisse aufrüttelndes Morgenprogramm. Brandl und Albert Oehlen versuchten möglichst unsauber und penetrant den einen »dreckigen« Grundakkord auf der E-Gitarre zu halten. Markus Oehlen und Danner hämmerten beharrlich ihren sturen Holpertakt herunter. Mittendrin Kippenberger »at his best«: Wie von einer Tarantel gestochen verkörperte er eine Mischung aus Punkekstase, anarchischem Veitstanz und selbstironischem Modern-Dance-Gedribbel. Al(bert)-Ma(rtin) am Höhepunkt ihres gemeinsamen konzertanten Wirkens.

Autor_in:

Christian Höller