Alva Noto

Biografie

Carsten Nicolai geboren 1965 in Chemnitz, Deutschland (damals Karl-Marx-Stadt, DDR); lebt in Berlin

1985–1990 Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Dresden

1986 erste Ausstellung als bildender Künstler in der Galerie EIGEN + ART in Leipzig

1992 Mitbegründer des Projektes VOXXX, eines Kultur- und Kommunikationszentrums in Chemnitz

1994 Gründung des Labels noton, das aufgrund sehr ähnlicher inhaltlicher Ausrichtungen 1999 mit dem Chemnitzer Label raster music als raster-noton – archiv für ton und nichtton zusammengeht

1997 Teilnahme an der documenta X

2000 und 2001 Prix Ars Electronica (mit Marko Peljhan)

2001 und 2003 Teilnahme an der Biennale di Venezia

2012 Giga-Hertz-Preis (mit Ryoji Ikeda) des ZKM Karlsruhe

2014 Grand Prize des Japan Media Arts Festival

Seit 2015 Professur für Kunst mit Schwerpunkt auf digitalen und zeitbasierten Medien an der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Die Mechanismen der Sinneswahrnehmung sowie die Überschneidungen von Naturwissenschaft und Technik sind Carsten Nicolais zentrale Themen in bildender Kunst wie Musik. Inspiriert von wissenschaftlichen Referenzsystemen setzt er sich dabei intensiv mit mathematischen Mustern wie Grids, Codes, Fehler- und Zufallsstrukturen auseinander wie auch mit dem Phänomen der Selbstorganisation.

Insbesondere beschäftigt er sich mit Sound und geht der Frage nach Möglichkeiten von dessen Sichtbarmachtung nach. Er sucht Schallwellen in anderen Medien – Grafik, Skulptur und digitalen Bildern – zu materialisieren. Die Graphikserie Tape Loop (1998) zeigt eine elegant verzweigte Möbiusschleife aus einem Audiomagnetband. Die Skulpturen Yes/No (2008) und Zukunftsangst (2015) übertragen jeweils die Soundspuren der titelgebenden Worte in Aluminium, wie zu Materie erstarrte Schallwellen.

Die Graphikserie unitxt, 2011, deren Titel als »unit extended« oder »universal text« gelesen werden kann, basiert auf Manipulationen computergenerierter Muster durch ein Audiosignal. Sie ist Teil einer Werkgruppe, die sich mit der Ambivalenz der Vorsilbe Uni auseinandersetzt, welche für Einzelheit ebenso wie für Einheit steht. Zu dieser gehört auch die in Doppelleben ausgestellte Video/Tonarbeit Univrs oder die Installation unidisplay / uni(psycho)acoustic (2012/2013).

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Autor_in: Eva Badura-Triska

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Musik

Musik

Als Musiker tritt Carsten Nicolai unter dem Pseudonym Alva Noto auf und ist einer der bekanntesten Vertreter der elektronischen Musik. Er hat vielfach in Kollaborationen gearbeitet, zum Beispiel mit Scanner, Thomas Knak, Mika Vainio, Michael Nyman, Ryoji Ikeda oder Ryuichi Sakamoto, und ist Teil des Projektes signal (mit Olaf Bender und Frank Bretschneider). Als Formation Diamond Version bestritt Nicolai zusammen mit Olaf Bender das Vorprogramm der Osteuropatour von Depeche Mode im Jahr 2013.

2010 arbeitet er mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) an dem Projekt ANBB. Erschienen sind bisher eine EP mit dem Namen Ret Marut Handshake sowie das Album Mimikry.

Im Oktober 2010 präsentierte Nicolai im Rahmen eines Events anlässlich der Ausstellung Not in Fashion. Mode und Fotografie der 90er Jahre im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main seine Licht- und Tonkunst zusammen mit Modeschöpfungen des Dresdners Kostas Murkudis. Bei der Ruhrtriennale 2012 arbeitete er zusammen mit Sakamoto und dem Ensemble Modern.

2015 war Nicolai als Alva Noto gemeinsam mit Sakamoto für die Filmmusik von The Revenant – Der Rückkehrer verantwortlich. Der Soundtrack wurde bei den Golden Globe Awards 2016 in der Kategorie für die beste Filmmusik nominiert.

In der Ausstellung

In der Ausstellung

Alva Noto

Univrs (uniscope version), Live at Märzmusik Festival, Kraftwerk Mitte, Berlin, März 2011, mit Carsten Nicolai, 47:44 min

Text, Visual Concept: Carsten Nicolai, Editing: Nibo


Wie die meisten Werktitel von Carsten Nicolai/Alva Foto beginnt univrs mit der lateinischen Vorsilbe »uni-«, die gleichermaßen für Einheit wie Einzelheit steht. Beide Bedeutungen spricht Nicolai an.

Bild wie Ton dieser Arbeit basieren auf Manipulationen von computergenerierten Strukturen durch ein Audiosignal. Der Ton produziert eine Störung in Soft- und Hardware, die so niemals dasselbe Bild produzieren. In der Musik wird dieses Verfahren des kalkulierten Störens »glitch« genannt und hat seine prädigitalen Vorbilder in den Zufallsverfahren von John Cage.