Beauties of the Night

gegründet 2001

Biografie

Beauties of the Night wurde 2001 von Christian Egger, Markus Krottendorfer und Alexander Wolff gegründet, 2003 stieß Manuel Gorkiewicz dazu. Alle vier Künstler waren Studenten an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Christian Egger

geboren 1976 in Innsbruck; lebt und arbeitet in Wien

Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien

Seit 2002 Mitherausgeber des Künstler_innenfanzines www.ztscrpt.net, einer Zeitschrift, die ihren Titel bei jeder Ausgabe je nach verwendeter Schrift ändert. Bisher erschienen: Chicago, Times, Plotter, Helvetica, DIN, Techno, Löhfelm, RR_02, Univers, Tiffany, Circuit, Memphis, Gringo, Zeus, The Mix, Princess Lulu, Pigiarniq, Paper, Libertine, Trixie, Déjà Vu, Auto, Rediviva, Acid, Wanda, Loraine, Hallo, Korpus, Spiegel, Zeitschrift, Fig, Museo
2013–2016 Kurator am Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, KM- Graz
Bandprojekte: BeAuTieS oF THe NiGhT, JOY RELIGION, KIMBERLY & CLARK, THE FIRST WORD +, guy the guy, Les Lapislazulis, The now unit, Satellite footprintshop.

Manuel Gorkiewicz

geboren 1976 in Graz; lebt und arbeitet in Wien

1996–2001 Universität Wien, Studium der Sozialanthropologie und Philosophie

1998–2004 Akademie der bildenden Künste Wien, Computer und Videokunst (bei Peter Kogler)

2004 Diplom

Markus Krottendorfer

geboren 1976 in Wien, lebt in Wien

Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien beiEva Schlegel und Josephine Pryde

Alexander Wolff

geboren 1976, Osterburg, Deutschland; lebt in Berlin

1996–2002 Städelschule Frankfurt am Main

1998 École nationale supérieure des beaux-arts de Paris

2000–2002 Akademie der bildenden Künste Wien

Seit 2002 Mitherausgeber des Künstler*innenfanzines www.ztscrpt.net, einer Zeitschrift, die ihren Titel bei jeder Ausgabe je nach verwendeter Schrift ändert. Bisher erschienen: Chicago, Times, Plotter, Helvetica, DIN, Techno, Löhfelm, RR_02, Univers, Tiffany, Circuit, Memphis, Gringo, Zeus, The Mix, Princess Lulu, Pigiarniq, Paper, Libertine, Trixie, Déjà Vu, Auto, Rediviva, Acid, Wanda, Loraine, Hallo, Korpus, Spiegel, Zeitschrift, Fig, Museo (www.theselection.net/zeitschrift).

2015 Gründung der Band Essachai Vow zusammen mit Christian Kosmas Mayer.

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Christian Egger

Der österreichische Künstler, Musiker und Autor Christian Egger verwendet in seinen Arbeiten überwiegend einfache, alltägliche Materialien, die er zu Bildern, Skulpturen und Assemblagen arrangiert. Im Wissen um die immer schon hybriden Beziehungen zwischen seinen Tätigkeitsfeldern, geht es Egger vorrangig darum, verschiedene Talente und Interessen als Einheit in der Vielfalt zu versuchen, dabei aber auch Autorenschaften zu unterwandern. Er setzt seit jeher auf dekonstruktive Verfahren, die Verschränkungen von Produktion, Anerkennung und Ökonomie nachvollziehbar zeigen. Bereits in der sorgsamen Wahl seiner Ausstellungstitel wie »This Is This! (C’mon!) Ich für Ichs (C’mon!) These Things Too! (C’mon, C’mon!, C’mon!!!)«, »A.R.E. U.S. ((( O ))) dich vs. DU!!!«, »ALL ABOUT Ausbruch AS EVER (WAS NOT) WAS« oder »Graz, ich hab Dich was gefragt (Arbeiten/Works 2013-2016)«, verweist er auf selbstanalytische Momente seiner Ausstellungen.

Manuel Gorkiewicz

Manuel Gorkiewicz umkreist in seinem konzeptuellen, multimedialen Oeuvre die Schnittstellen und Wechselbeziehungen zwischen der Kunstwelt einerseits und der Konsum- und Alltagswelt andererseits. Seine skulpturalen, malerischen und raumgreifenden Arbeiten thematisieren die Praxis von Produktdesign und Werbung, sich markante Gestaltungsideen aus der Kunstgeschichte, insbesondere modernistisch-funktionalistische Formensprachen, anzueignen und zunutze zu machen. Während das klassische Readymade den Kunst- und Museumsraum für Alltagsobjekte öffnete, wird bei Gorkiewicz sichtbar, dass die osmotische Durchlässigkeit zwischen Alltag und Kunst in beiderlei Richtungen verläuft. Damit in Zusammenhang steht auch, dass sich die Frage nach Originalität, Kreativität und Autorschaft zunehmend schwieriger beantworten lässt, dennoch aber nicht grundsätzlich hinfällig wird.

Markus Krottendorfer

Markus Krottendorfer ist bildender Künstler und Fotograf. Inspiriert durch den Beruf seines Vaters, eines Kartografen, und geprägt durch die frühe Praxis im Repro-Labor steht die Frage nach der »Wahrheitsfähigkeit« von Fotografie im Mittelpunkt seiner Arbeit. Auf Basis seines handwerklichen Könnens, technischen Wissens und einer umfangreichen Sammlung von Fotografien unterschiedlicher Genres aus den letzten 30 Jahren setzt sich der Künstler sowohl mit den technischen und ästhetischen, aber vor allem auch mit den ideologischen Konstruktionsbedingungen fotografischer Bilder auseinander. Für die Annäherung an diese Fragestellungen wählt er einen Ansatz, der einen kritisch-analytischen Blick mit der Kraft und Freiheit künstlerischer Imagination verbindet. Dabei bedient er sich häufig Mechanismen wie Erfindung, Täuschung, Fälschung und Irreführung, die er in seinen Fotoserien und Ausstellungsinstallationen immer wieder kritisch thematisiert. Architektur spielt in seinen Arbeiten eine wichtige Rolle, da sie nicht nur bevorzugter Gegenstand fotografischer Inszenierung, sondern immer auch Ausdruck ästhetischer und politischer Programmatik ist.

Alexander Wolff

Alexander Wolff beschäftigt sich mit Erscheinungsformen, Möglichkeiten und Grenzen von Malerei als Tafelbild, Wandbild, Fotografie, Bild im Raum und Raumbild. Sein Tun beschränkt sich weder auf den begrenzten Bildraum der Leinwand noch auf Öl- oder Acrylfarbe. Textilfarbe, Schmutz, Staub, verschiedenfarbige oder bedruckte Stoffe und Licht zählen zu den Materialien, aus denen seine Bilder entstehen. Durch Kombination verschiedener Materialien sowie unterschiedlicher Formate lotet er die Rahmen, Ränder, Zwischenräume und Übergänge dessen aus, was Malerei sein kann. Gleichzeitig befragt er die Produktionsbedingungen dieses Mediums ebenso wie die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Bildstatus an ein Werk beziehungsweise die diesbezüglich bestehenden Vorstellungen.

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Musik

Musik

Beauties of the Night wurden 2001 auf Initiative von Alexander Wolff (Gitarre), damals in der Formation Vanity aktiv, gegründet. Gemeinsam mit Markus Krottendorfer (Bass) und Christian Egger (Schlagzeug) sowie dem etwas später dazu gestoßenen Manuel Gorkiewicz (Gitarre) erhob die Gruppe die laut Eigenaussage »intensive und lärmige Umarmung des Publikums« zum Programm. Was zählt, ist der emphatisch zelebrierte Live-Moment, der meist ohne allzu große Vorbereitung, dafür aber, wenn es so weit ist, umso nachdrücklich-vehementer in Angriff genommen wird. Benannt nach einem Film von René Clair, worin ein junger Komponist an seinem musikalischen Traum scheitert (Les belles de nuit, 1952), stellen sich Beauties of the Nightmit aller Konsequenz der Herausforderung, »aus dem Moment heraus zu funktionieren«. Und das mit beachtlicher Hingabe, sodass im Nu die Lärm-getränkten Funken fliegen. Das Schlagzeug/Bass-Getriebe malmt unbarmherzig, teils heftig verzerrt, vor sich hin, während die beiden Gitarristen von den Flanken kommend meterhohe Noise-Wände errichten, um sie unverzüglich wieder einzureißen. Derweilen ergeht sich Christian Egger als Sänger in minimal beschwörerischen Tiraden, welche die beharrliche Penetranz von Post-Punk und Hardcore abgrundtief verinnerlicht haben.

Der Instant-Noise-Rock der Band ist insgesamt gar nicht so traditionslos, wie ihn die Musiker in ihrer Liveness- und Nowness-Emphase gerne hinstellen. So lassen die Wall-of-Noise-Exzesse, die auf einem charmant wackeligen Gerüst errichtet sind, an vielerlei ähnliche Unterfangen aus den 1980er-Jahren denken – jener Zeit, in der die Beauties selbst ihre musikalische Initiation erfahren haben. Aber derlei fällt bei ihren krachigen Exerzitien, denen stets auch etwas Selbstexorzistisches anhaftet, nicht weiter ins Gewicht. Worum es geht, ist der exaltierte, andersweltliche Moment – auch wenn dieser einmal mehr in Richtung Dumpf-Metal, dann wieder mehr zum Free Jazz oder schließlich gar in Richtung von Link Wrays Rumble tendiert. All das (und noch mehr) vereinen die Beauties in ihrer unkompromittierten, dysfunktionalen Sperrigkeit. Wobei dem grummeligen Monster, auf dessen Entfesselung ihr Sound abzielt, jede Form von Eingrenzung grundlegend missfällt.

Interview

Interview

Beauties of the Night

»In der Nacht sind die Katzen scharf«, Interview, in: Rokko’s Adventures, 2 (2007), S. 73 ff.
Courtesy www.rokkosadventures.at


Stellt euch mal bitte vor: Wer spielt was?

Alexander Wolff spielt Gitarre oder Bass, Manuel Gorkiewicz Gitarre, Markus Krottendorfer Bass und Christian Egger Drums, im Ernstfall singen alle.

Seit wann gibt es euch? Geschichte? Hintergründe?

Eine befreundete Band, Vanity, bestehend aus Christian Mayer (Bass, Gesang), Alexander Wolff (Gitarre, Gesang) und Gregor Mahnert (Schlagzeug), wurde Ende 2001 zu einem Konzert ins Kunsthaus Klagenfurt im Rahmen einer dort zu eröffnenden Vernissage eingeladen. Da hatte Alexander Wolff die Idee, den befreundeten Fotografen Markus Krottendorfer, der einen Bass hatte, aber den eigentlich nie spielte, zum Konzert einzuladen, und dieser sagte zu. Es sollte eine Art Fluxus-Event werden – ein Bassist, dem sein Instrument fremd ist und der zu ihm fremden Songs spielt. Gregor Mahnert hatte keine Lust auf dieses Experiment und weigerte sich, dazu Schlagzeug zu spielen. Also wurde Christian Egger gefragt, der zwar nicht Schlagzeug spielen konnte, aber gerne mitmachte.

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Am Vorabend des Konzerts rannte Markus Krottendorfer einer Frau in die Damentoilette hinterher und stürzte mit seiner Hand durch eine WC-Glastür und trug deshalb einen dicken Verband. Er verbrachte die ganze Nacht im AKH zwischen Selbstmordkandidaten und wollte am Morgen bei Abfahrtstermin eigentlich das Konzert wieder absagen, wurde aber von Alexander und Christian überredet, doch zu spielen. Auf dem Weg ins blaue Kärnten dröhnte den ganzen Tag »Got My Mind Set on You«, da tags zuvor George Harrison verstorben war.

Das Konzert war eine außergewöhnliche Performance. Markus Krottendorfer war rein optisch der beste Bassist der Welt und sang bei erster Mikroberührung »I’m human«, und es stand der Entschluss fest, in dieser Besetzung weiterzumachen. Bald kam der Name Beauties of the Night. Als dann eine Festivaleinladung nach Moskau anstand und es klar war, dass Alexander leider nicht mitkommen konnte, wollten wir einen Ersatzgitarristen casten. Leider hatten wir nur einen Interessenten, der, nachdem wir ihm ein Proberaumvideo gezeigt hatten, 20 Minuten vor Auftritt mit der Begründung absagte, er habe mit 13 zuletzt in diesem Stil gespielt. Wenigstens borgte er uns eine Gitarre, und zum großen Glück war Manuel mit auf der Reise und übernahm den Posten.

Andere Projekte?

Wir sind alle freischaffende Künstler. Drei von uns arbeiten gemeinsam an einem Kunstfanzine, siehe: www.theselection.net/zeitschrift.

Wie haut das hin: drei in Wien, einer in Berlin? Wie oft könnt ihr proben und Konzerte geben?

Wir proben nicht und spielen Konzerte so oft wie möglich. Dieses Jahr war der Tourplan: London, Berlin, Wien, Istanbul.

Zumindest einer von euch ist auch im Kunstfeld unterwegs, wo genau?

Wir sind alle freischaffende Künstler, siehe: www.artfacts.net.

Ich habe euch nur einmal gesehen (Ragnarhof), das fand ich sehr gut, intensiv und in gewisser Weise unwirklich. Ziemlich viel Energie kommt aus dem Nichts – gibt’s da so was wie einen Masterplan?

Wir sind da sehr von uns und unseren Instrumenten abhängig, von den Tagen, den Orten und den Stimmungen. Wir suchen Substanz in der Substanzlosigkeit … in der drängenden Wahrnehmung der Frage zur Existenz werden wir zu Handlungen jeglicher Art getrieben … unabänderliche Unordnung wird aus allen Kanälen herausgepresst, deren Gestalt und Echo in unsere Ohren zurückspritzen. Das Machen scheint die Ausweglosigkeit des Wollens – es gibt keinen Willen, aber zu bewältigende Zeit, Lust, Möglichkeiten, Vorlieben. Die Substanz ist eine Erfahrung, eine Schraffur, eine Umrisslinie, die Definition ihrer Materie selbst, die Buchstaben des Wortes »S u b s t a n z«, in alle Sprachen übersetzt, ihr Look, ihr Klang, ihre Form.

Wo immer der unbestimmte Drang ist, sich äußern zu müssen, können die Argumente noch so leer, fadenscheinig und prätentiös sein, denn die Zeit wird ihre Bedeutung schon herausmeißeln. In größter Substanzlosigkeit tritt die Substanz umso klarer hervor. Die Substanz ist unzweckmäßig, unkontrolliert, vielgestaltig, ausufernd, alles versuchend, pure Energie. Wir sind klein, hässlich und schlecht. Wir glauben, die Sorte Glam-Metaller zu sein, die schon 1977 niemand gut finden konnte, immer besoffen auf internationalen Flughäfen weinend.

Wie sind die Reaktionen sonst auf euch? Ich war hingerissen von eurem Konzert, meine Begleitung musste den Saal verlassen, hehe. Geht’s bei euch überhaupt um so etwas wie Strukturen oder eher um so etwas wie Rausch und das Freisetzen von Energie? Oder ist das alles Hirngewichse am falschen Platz und ihr macht das einfach, weil es so aus euch rauskommt und Spaß macht?

Die Konzertsituation fordert uns, das Publikum fordert uns, und wir wissen, wir haben nicht geprobt oder geduscht. Das könnte uns den Ruf einbringen, altmodisch und faul zu sein.

Seht ich euch in der Tradition von Flipper, Cows, Drunks with Guns, Harry Pussy, Happy Flowers et cetera? Gab es so etwas wie »musikalische Paten«? Wo würdet ihr euch selbst hinstellen?

All die Genannten machten wunderbare Musik. Zwischen und über Rudimentary Peni und Art Ensemble of Chicago oder Kiss Freak Steven finden wir sehr viel sehr gut. Wir hatten einen gelungenen Support-Act für die geistesverwandten Sunburned Hand of the Man und freuen uns auf eine gemeinsame Tour mit Selfish Cunt zu Beginn 2008.

Als was seht ihr die Beauties of the Night? Als Sprungbrett, Hobby, wollt ihr Kohle machen? Erwartet ihr kommerziellen Erfolg, Plattenvertrag oder scheißt ihr da drauf?

Wir planen einen Livemitschnitt bisheriger Konzerte auf dem »Spirit of Orr«-Label.

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Live in Concert

Live in Concert

Donnerstag, 28. Juni 2018, 20:00, mumok

Ausgedehnter Noiserock im Geiste des Free Jazz, widerspenstige Klänge, gegeneinander anspielende Bandkollegen – so klingt die Wiener Künstlerband Beauties of the Night.

Beauties of The Night, 2012