Christian Ludwig Attersee

geboren 1940 als Christian Ludwig in Bratislava/Pressburg, Slowakei; lebt in Wien und am Semmering in Niederösterreich

Biografie

Verbringt seine Jugend in Aschach bei Linz und am Attersee in Oberösterreich

Zwischen 1957 und 1962 als Segelsportler dreimal österreichischer Staatsmeister

1957–1959 Studium der Bühnenarchitektur an der Akademie für angewandte Kunst in Wien

1959–1963 Studium der Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien (bei Eduard Bäumer)

1965 Übersiedlung nach Berlin

1966 nimmt das Pseudonym Attersee an

1971/1972 DAAD-Stipendium in Berlin

1984 vertritt Österreich bei der Biennale di Venezia

1990–2009 Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien (für Malerei, Animationsfilm und Tapisserie)

1998 Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises für Kunst

2004 Lovis-Corinth-Preis der Künstlergilde Esslingen, Deutschland

2005 Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst erster Klasse

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Das Multitalent Christian Ludwig Attersee beginnt 1951 Kurzromane zu schreiben, Lieder zu texten, Comics zu zeichnen und arbeitet in der Folge als bildender Künstler, Musiker, Schriftsteller, Objektmacher, Designer, Bühnenbildner und Filmemacher.

Mit seiner gegenständlichen Malerei ist Attersee einer der großen Einzelgänger der österreichischen Kunst und macht sich mit seinen zwischen 1964 und 1966 entstehenden »Gegenstandserfindungen« im Bereich der Erotik und des Alltags (wie der »Speisekugel«, dem »Speiseblau« oder dem »Attersteck) einen Namen in der europäischen Pop Art.

Ab Mitte der 1960er-Jahre pflegt Attersee Freundschaften mit Vertretern der Wiener Gruppe und des Wiener Aktionismus und beteiligt sich auch an zwei von deren Gemeinschaftsaktionen, dem »Aktionskonzert für Al Hansen« (1966) und dem legendären »Zock-Fest« (1967).

Seine Werke sind durch figural-symbolischen Stil, leuchtende Farben und dynamischen Pinselstrich gekennzeichnet. Vielfach doppelbödige Assoziationen und Fantasien einer ebenso individualistischen wie doch auch sehr österreichischen Sicht der Dinge mit Hang zu sexueller Persiflage. Häufig wird auch der Rahmen in das Werk einbezogen oder finden sich Textelemente in die Darstellung eingebettet.

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Ab den 1980er-Jahren entstehen zahlreiche Großprojekte. 1986 stattet Attersee Wiens ersten Champagnerball im Konzerthaus aus. 1987 entsteht eine Schiffsschaukel für André Hellers Luna-Luna-Rummelplatz. Mit der 1996 gestalteten, 210 Quadratmeter großen Mosaikfassade Wetterhändler für ein Wiener Geschäftshaus entsteht das größte Glasmosaik Europas. 2006 hüllt Attersee für sechs Wochen den Wiener Ringturm in eine von ihm zum Thema Don Giovanni bemalte Folie. Im November 2007 wird das 220 Quadratmeter große Innenraummosaik Reichtum Erde in der Geologischen Bundesanstalt in Wien fertiggestellt. Im Frühjahr 2005 wird an der Wiener Staatsoper das Ballett Petruschka von Igor Strawinsky in einer Bühnenbildausstattung Attersees aufgeführt, im Mai 2006 am Belgrader Madlenianum das Ballett Amadé. 2007 stattet Attersee den ersten Liederball des Wiener Männergesangsvereins im Kursalon aus. 2008 wird Richard Strauss’ Salome in einer Inszenierung (auch Bühnenbild und Kostüme) von Attersee am Theater Bremen aufgeführt. 2015 gestaltet er im Rahmen des Brucknerfestes Linz das Bühnenbild für die Oper Weiße Rose von Udo Zimmermann.

Autor_in: Eva Badura-Triska

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Musik

Musik

Christian Ludwig Attersees musikalische Ambitionen gehen auf seine frühe Jugendzeit zurück, als er sowohl aus dem Bereich der Oper als auch dem des aufkommenden Rock ’n’ Roll und Schlager gleichsam unvereinbare Welten in sich aufzunehmen begann. Erste Aufnahmen von ihm datieren – nach ersten Karriereanläufen als Rock-’n’-Roller, später dann als Sprach- und Liedkünstler im Umfeld des Wiener Aktionismus – aus den späten 1960er-Jahren. »Atterseelied« und »Atterseewalzer« waren Stücke, die anlässlich eines frühen Porträtfilms über ihn erschienen. In den 1970er-Jahren trat er gemeinsam mit dem Aktionistenensemble »Selten gehörte Musik« auf, entwickelte aber auch kontinuierlich seine »Malermusik« weiter, die überwiegend auf Klavieradaptionen eingängiger Popmelodien basierte. Dargeboten wurde diese an unterschiedlichsten Orten, zumeist in Ausstellungszusammenhängen (1980 entstand so die gemeinsam mit Gerhard Rühm aufgenommene Platte Klaviertreiben). Legendär wurden die von ihm veranstalteten »Attersee-Matineen«, die mehrere Jahre hindurch, meist mit illustren Gästen, im Wiener 20er Haus stattfanden.

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In den 1980er-Jahren erschienen schließlich Attersees bis heute am meisten akklamierte Veröffentlichungen, die gemeinsam mit der Jazz- und Bluessängerin Christine Jones aufgenommene Platte Weihnacht zu zweit (1983) sowie die der sprachgewandten Popballade gewidmete LP Atterseemusik (Lieder von Wetter und Liebe) (1985). Attersees musikalische Umtriebe manifestierten sich in Folge im kontinuierlich verfolgten Zusammenspiel mit einer großen Bandbreite von befreundeten Maler_innen und Musiker_innen und belegen bis heute den großen stilistischen Radius dieses Ausnahmekönners. So erschien 2005 eine Remixsammlung einiger seiner besten Stücke (Blut) und 2011 eine weitere Duett-LP mit der 2017 verstorbenen Christine Jones (Äpfel der Liebe).

Autor_in: Christian Höller

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Christian Ludwig Attersee, Rampi Rampi, um 1975

München, 1987, mit Christian Ludwig Attersee (voc., piano) und dem Ferry Trio, 7:13 min

Film: tv and more.net

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung Attersee – Frühe Bilder 1964–1974 in der Münchner Galerie Klewan trat der Künstler am 26. September 1987 gemeinsam mit dem Trio des Klarinettisten Ferry Janoska im Münchner Musikclub Loft auf. Unter dem gemeinsamen Bandnamen Atterseezigeuner gab man eine breite Palette von Attersees »Kunstliedern«, von Schlagern und Folklorebearbeitungen bis hin zu Rock-’n’-Roll-Stücken, ergänzt durch Gershwins »Summertime«, zum Besten. Attersees Klavierspiel und die Gypsy-Klarinette des renommierten Roma-Musikers Ferry Janoska dominieren das Klangbild, was einer durch und durch eigentümlichen Form von »Fusion« Ausdruck verleiht. Deutlich wird dies an der Nummer »Rampi Rampi«, Herzstück des Konzerts und später auch als Single veröffentlicht: Sieben Minuten lang vermengt sie kongenial Popformat und Kunstliedimprovisation, Rockabilly und Gypsy-Swing – zentral punktiert von der akrobatischen Gesangsspur des Meisters. Attersee zieht hier alle Register seiner an Elvis gemahnenden Crooner-Stimme, einmal ganz dem sehnsuchtsvollen Schmachten hingegeben, dann wieder brüsk den harten Knochen herauslassend. Gefühlte einhundertmal wiederholt und phrasiert Attersee die Wörter »Rampi Rampi« in einer kunstvoll modulierten, nie auf der Stelle tretenden Stilmelange, die nichtsdestotrotz Platz lässt für mehr und auch nach dem Ende noch betörend lange in den Köpfen nachhallt.

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