DA EAT

2012 formiert

Biografie

Thomas Zipp

geboren 1966 in Heppenheim, Deutschland; lebt und arbeitet in Berlin

1992–1998 Kunststudium an der Städelschule Frankfurt sowie an der Slade School in London

2005–2007 Gastprofessor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

Seit 2008 Professor für Malerei und Multimedia an der Universität der Künste Berlin

Seit 2013 Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien

Bildnerische Kunst

Bildnerische Kunst

Der Maler, Bildhauer, Installations- und Videokünstler Thomas Zipp beginnt seine Laufbahn als Musiker und entschließt sich erst mit 26 Jahren zu einem Kunststudium bei Thomas Bayrle in Frankfurt.

Seine Bilder bettet Zipp meist in größere Installationen ein, die oft wilde Psychofiktionen darstellen oder absurde und unheimliche Welten des Unbewussten offenlegen. Das Erzählen ist für den Künstler zentral, und in seine Narrative integriert er Zitate aus Literatur, Film oder Musik sowie historisches Bildmaterial.

Sein Œuvre kokettiert mit Elementen der Art brut beziehungsweise Vorstellungswelten psychisch Kranker. Er spielt mit bizarren Weltverschwörungen und übersinnlichen Halluzinationen, prophetischen Visionen und Horrorfantasien zwischen Drogenrausch und Wahnvorstellung.

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Besonders obskur erscheinen Werkkomplexe wie World Kantzler Office (2004) oder The World’s Most Complete Congress of Ritatin Treatments (2011) – düstere Weltherrschaftsfantasien und religiös-psychotische Dystopien, inszeniert im Geist eines Gesamtkunstwerks. Als deutscher Künstler verweist Zipp auf die finsteren Seiten der (Geistes-)Geschichte seines Landes und den davon auch in der Nachkriegsmoderne noch verbliebenen Spuk. Seine Weltentwürfe zitieren die Vergangenheit und wollen wie eine okkulte Praxis, die im performativen Spiel geistige Heilung sucht, die Psyche erlösen.

Die Installation The World’s Most Complete Congress of Ritatin Treatments zeigt ein Labor oder eine psychiatrische Einrichtung als sakralen Raum, in dem maskierte Darstellerinnen eine rituelle Behandlung durchführen. Was zunächst wie ein grotesker Psychiatriebesuch anmutet, wird durch die Übersteigerung und Einbettung in eine musikalisch-performative Form sowie das Setting auf Kirchenbänken zum Auslöser einer ekstatischen Empfindung als Form der Bewusstseinserweiterung wie eines spirituellen Erlebnisses.

Autor_in: Lona Gaikis

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Musik

Musik

Den Zugang zur Kunst findet Thomas Zipp erst durch die Musik, und obwohl er mittlerweile als bildender Künstler mehr Aufmerksamkeit erlangt, sind seine Aktivitäten als Musiker nicht von geringerer Bedeutung.

Anfang der 1980er-Jahre schließt er sich als Schlagzeuger mit Schulfreunden zur Punkband The Swunk zusammen, die bis 1996 durch Europa tourt und eigenproduzierte Schallplatten und Musikkassetten veröffentlicht (etwa Everything Is Gone, 1993). Mit dem Tod des Gründungsmitglieds Emanuel Vatter findet die Band jedoch ein jähes Ende.

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Ein Zusammenschluss mit dem Künstler und Comiczeichner Felix Weber führt 2002 zu einem neuen Musikprojekt mit dem bezeichnenden Namen NaziHipiWelt. Mit dem Ansatz einer „freien Musik“ entwickelt sich diese Band zum ZLW-Trio, dem sich der Elektroniker Sepp Löbert anschließt. Hieraus entsteht die spätere Band DA (Abkürzung für „Dickarsch“), die wiederum Zipps alte Bandmitglieder involviert und mit der er seit 2006 im Rahmen von Ausstellungseröffnungen auftritt. 2006 entsteht die LP Geist ueber Materie (Future Organ).

Auch in vielen von Zipps Installationen spielt die Musik eine wichtige Rolle. Seine Performances beziehen oft ein Band-Set-up ein, und seine Klanginstallationen kennzeichnen experimentelle Ansätze. In der Ausstellung Ich ist eine Ego-Maschine (2016/2017) in der Eres-Stiftung München entwickelt er beispielsweise eine auf dem Magnetismus menschlicher Körper beruhende Rauminstallation, die Bewegungen in ihrem Feld aufzeichnet und in Klänge umwandelt.

Autor_in: Lona Gaikis

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

DA EAT

Konzert im Oldenburger Kunstverein, 31. August 2012, mit Stefan Branca (Gitarre), Matthias Vatter (Bass), Phillip Zaiser (Percussion), Thomas Zipp (Schlagzeug), 19 min 23 s

Film: Thomas Zipp, Courtesy: Galerie Krinzinger, Wien

In seiner Einzelausstellung 2012 im Kunstverein in Oldenburg spielt Zipp mit Stefan Branca, Matthias Vatter und Phillip Zaiser unter dem Namen DA EAT.

Zipp gibt als Schlagzeuger die rhythmische Grundlage und das Tempo vor. In der Tradition des deutschen Progressive Rock mäandert der Sound zwischen Rock und psychedelischen Momenten und eröffnet damit Bezüge zum Krautrock der späten 1960er- und der 1970er-Jahre, der gerade im süddeutschen Raum – Zipps Geburtsstadt Heppenheim liegt nahe dem Avantgardezentrum Darmstadt – seine Spuren hinterlassen hat.