GRAF+ZYX

1981 formiert

Biografie

Inge Graf
geboren 1949 in Wien

Ausbildung am Institut für Heimerziehung

Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Universität Wien

Ab 1977 Studium Fotografie und Film, ab 1980 an der Universität für angewandte Kunst Wien in der Meisterklasse von Oswald Oberhuber


Walter Zyx
geboren 1950 in Wien

Ausbildung in klassischer Violine

Studium der indischen Musik am Istituto Canneti in Vicenza (Ausbildung an der Dilruba bei Acharya Manfred Heinrich Junius)

Studium der Psychologie und Philosophie an der Universität Wien

Ab Mitte der 1970er-Jahre Beschäftigung mit elektronischer Musik

Ab 1980 Beschäftigung mit experimentellem Video


Seit 1981 gemeinsame Projekt- und Ausstellungstätigkeit unter dem Namen GRAF+ZYX; »mediensynthetische Programme« in den Bereichen Video- und Computerkunst, Web- und Datenbankdesign sowie -programmierung, Videoskulpturen und Möbelobjekte

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Die künstlerischen Anfänge des Paares GRAF+ZYX reichen bis Mitte der 1970er-Jahre zurück. Inge Graf, damals im Bereich Heimerziehung tätig, fertigte Fotoserien über Heimkinder in Klosterneuburg an; Walter Zyx nahm erste Kompositionen auf, zunächst noch an der Violine und unter den Pseudonymen Ronder Rot und Roter Rot. Zyx sollte sich alsbald der elektronischen Klangerzeugung zuwenden, während Graf, vorübergehend unter dem Künstlernamen Souza Starfighter, ihre fotografische Praxis immer mehr in Richtung kunstvoll verfremdeter Porträtaufnahmen entwickelte. Ab Ende der 1970er-Jahre fusionierten die beiden ihre Aktivitäten immer mehr, und seit 1981 firmieren ihre Arbeiten ausschließlich unter dem gemeinsamen Signet GRAF+ZYX. Damals primär im Bereich der elektronischen Musik und ihrer medialen Einbettung in die dazu produzierten Videos operierend, dehnten sie ihre Aktivitäten ab 1983 in den Galeriebetrieb aus, wo sie elektronische Environments und von ihnen so bezeichnete »mediensynthetische Programme« realisierten. Neben installativen Settings, die meist aus Filmprojektionen und Tonbandzuspielungen bestanden, schufen sie auch Videoskulpturen und Möbelobjekte (etwa das Raum-Schiff, 1988). GRAF+ZYX produzierten TV-Spots (etwa für Humanic, 1984) und waren früh als Grafik- und Webdesigner_innen tätig (verantwortlich etwa für das Corporate Design der Kunsthalle Wien, 1992). Seit 2012 betreiben die beiden den Projekt- und Studioraum TANK 203.3040.AT in Neulengbach, Niederösterreich.

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Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

Walter Zyx begann ab 1977, sich mit der damals neuen synthetischen Produktionsweise von Klängen zu befassen. (Die erste offizielle Aufnahme unter dem Pseudonym Roter Rot erschien 1981 auf dem Sampler WienmusikK; 2010 folge eine weitere Veröffentlichung auf der Kompilation Neonbeats.) Unter dem Künstlernamen ZYX – der Name deutet die klangvolle Umkehrung der dominierenden (alphabetischen) Ordnung an – entstand 1981 die Platte Trust No Woman, die heute als Klassiker der Minimal-Wave- beziehungsweise frühen Synthiepop-Bewegung gilt. Mantrahaft wiederholte, meist düstere Verbalbeschwörungen (»Get Away Wisdom«, »When Darkness Comes«) gehen darin kongeniale Verbindungen mit geheimnisvoll pulsierenden Loop-Kompositionen ein. In weiterer Folge produzierten GRAF+ZYX ausgefeilte Track-Serien, die als Soundkomponenten ihrer medienübergreifenden Installationen zum Einsatz kamen (wie beim Töne-Gegentöne-Festival, der Ars Electronica oder dem Steirischen Herbst). In Fortsetzung dieses Prinzips arbeiten die beiden bis heute an »mediensynthetisch« erweiterten Environments, was etwa in den Produktionen Mörder Redux (2015/2016, in Anlehnung an Oskar Kokoschkas Theaterstück Mörder, Hoffnung der Frauen) oder Dada Negligé (2016) seinen zeitgenössischen Ausdruck findet.

In der Ausstellung

In der Ausstellung

GRAF+ZYX

Striptease, 1983, mit Inge Graf, 2:52 min

Film: GRAF+ZYX

Striptease ist ein Musikvideo, das 1983 für die Ausstellung Eissalon von GRAF+ZYX in der Wiener Galerie Insam entstand. Allein die Konzeption – neun »Kapitel« wurden in drei Filmprojektionen gezeigt, dazu lief ein Soundtrack vom Tonband – zeigt an, dass es hier um eine Synthese medialer Komponenten respektive deren Auslagerung in die entsprechenden Apparate ging. Die Künstler_innen waren anwesend, griffen jedoch nicht selber »live« in den Ablauf ein. Für den visuellen Teil von Striptease hatten die beiden eine Videoperformance festgehalten, diese auf Super-8-mm-Film umkopiert, entwickelt und solarisiert (daher der matte Gelbton mit leichten Negativeffekten). Die Performance selber ist entfernt an Yoko Onos Cut Piece angelehnt, wobei in diesem Fall die Künstlerin (Graf) selber Löcher in ihren elastischen Ganzkörperanzug schneidet. So wie der Akt des Perforierens sich hier ganz auf sich selber beziehungsweise die eigene Körperhülle richtet, so scheint sich auch das Musikstück tranceartig im Kreis zu bewegen. »I look out / Of my eyes / See the clouds / Of my eyes«, heißt es in dem aus dem Jahr 1977 stammenden Track, der hier eine erweiternde Umdeutung erfährt. Am Ende rahmt Striptease den musikalisierten Tanzakt in einem logohaft wirkenden Kreis – ein charmant minimales Eigenbranding, wie es nur die frühe Medienkunst konnte.