Jutta Koether

geboren 1958 in Köln; lebt in Berlin und New York

Biografie

1977–1981 Studium der Kunstpädagogik an der Universität Köln

Redakteurin und (ab 1985) Mitherausgeberin des Musik- und Popkulturmagazins Spex sowie Rezensentin und Mitarbeiterin zahlreicher Zeitschriften, darunter Texte zur Kunst, Flash Art und Artscribe

Lehraufträge an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der School of Visual Arts, New York, der Universität der Künste Berlin, am Bard College, New York, und an der Cooper Union, New York

Seit 2010 Professorin für Malerei/Zeichnen an der Hochschule für bildende Künste Hamburg

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Zwischen den Metropolen New York und Berlin pendelnd, bewegt sich Jutta Koether sowohl geografisch als auch inhaltlich im Netzwerk der internationalen Kunst. In ihrer Auseinandersetzung mit Bild, Sprache und Musik sowie deren Verflechtungen lebt sie die »Verfransung« (Theodor W. Adorno, 1967) der Künste konsequent aus.

Ab den 1980er-Jahren positioniert sie sich als feministische Antwort auf die stark durch Männer wie Martin Kippenberger oder Albert Oehlen dominierte Kölner Kunstszene.

...mehr/Abbildungen

Dabei prägt sie als Mitherausgeberin und Redakteurin des Musikmagazins Spex, aber auch als Rezensentin und Mitarbeiterin anderer einflussreicher Zeitschriften wie Texte zur Kunst, Flash Art und Artscribe die Kunstkritik sowie Diskurse deutscher Popkultur maßgeblich mit.

Das bildnerische Werk Jutta Koethers knüpft thematisch an die »großen Erzählungen« der Kunstgeschichte an. Sie folgt einer Agenda der »Restitution durch Repetition«, also einer Wiedergutmachung durch Aneignung und Wiederholung, um die Bedeutung weiblicher (Mit-)Autorschaft herauszustellen. In den 1990er-Jahren erregt sie Aufmerksamkeit mit Arbeiten wie Cézanne, Courbet, Manet, van Gogh, ich (1990) oder Ganz (100 % Malerei – Niemand ist eine Frau) (1991), mit denen sie sich als junge Künstlerin in die männliche Traditionslinie der Moderne einschreibt. Ironisch fordert sie die Ikonisierung der alten Meister und einen seit der deutschen Romantik bestehenden Geniekult heraus und erschüttert das Selbstverständnis des (männlichen) Künstlers mit ernüchterten und humorvollen Kommentaren.

Ihr sehr persönlicher Malstil ist durch eine Überlagerung feiner Schichten aus Zeichnung und Malerei in meist signalhaftem Rot gekennzeichnet. In jüngeren Werken entsteht durch Integration von Alltagsobjekten sowie den Einsatz des falschen Glanzes »armer« Materialien (Folien, Lametta, Metalliclack) eine Art Trash-Chic, der auf den Glitter des beginnenden Millenniums anspielt und dabei den Kapitalismus der 2000er-Jahre bereits als ausgehöhlten Glamour kritisiert.

Autor_in: Lona Gaikis

...weniger
Musik

Musik

International gelang Jutta Koether der Durchbruch als Künstlerin in den 1990er-Jahren durch den Umzug in die USA und zahlreiche Kollaborationen mit Musiker_innen, allen voran Protagonist_innen der New Yorker Postpunk- und No-Wave-Szene. Von besonderer Bedeutung ist ihre lange künstlerische und musikalische Freundschaft mit Kim Gordon, Sängerin und Bassistin der US-amerikanischen Band Sonic Youth.

...mehr

Mit Beginn der 2000er-Jahre treten Projekte, die Koethers malerisches Werk und ihre Ausstellungen in Form von Performances oder musikalisch-poetischen Lesungen begleiten, immer stärker in den Vordergrund. Während Sprache, Musik und Bild in ihrem Œuvre gleiche Bedeutung haben, wird die Musik zu jener Form, in der sich alle Tätigkeitsfelder synthetisieren lassen und die in besonderer Weise den Austausch mit Kolleg_innen sowie dem Publikum ermöglicht. Von Beginn an ist die Musik anderer dabei Quelle der Inspiration. Ob durch Zitieren von Idolen der Beatgeneration und anderer oder die Kollaborationen mit befreundeten Musiker_innen – gerade durch die Musik gelingt es Koether, die klassischen Sujets, auf die sie in ihrer Malerei anspielt, zu aktualisieren und die Postulate der Moderne mit Grenzüberschreitungen zur Popkultur aufzulösen.

Autor_in: Lona Gaikis

...weniger
In der Ausstellung

In der Ausstellung

Jutta Koether, Galerie Francesca Pia, Zürich, 29. 8. 2008, mit Jutta Koether, 9:39 min

Film: Heinrich Schmidt, Vernissage TV

Ihre Malerei und Objektkunst erweitert Koether oft durch musikalische Performances, so 2008 in der Ausstellung The Fact That You Place Your Bet on Red Does Not Mean That the Black Is Not Still There in der Galerie Francesca Pia in Zürich. Bei der Ausstellungseröffnung spielt sie auf ihrem analogen Synthesizer der Marke Nord Lead 2, den sie in bewusster Inszenierung zu Beginn in den Raum rollt. Während sie im No-Wave-Stil musikalisch improvisiert, legt sie unter anderem einmal ihren Kopf auf die Tastatur – eine weitere Geste, mit der sie jeglichen Anschein einer traditionell-formellen Musikaufführung unterlaufen will. Mit ihrer roten Kleidung fügt sich die Künstlerin in ihre roten Malereien und Zeichnungen an der roten Wand ein. Ein Knäuel aus Magnetbändern haftet wie zufällig an der technischen Ausstattung – vielleicht ein Verweis auf analoge Aufnahmetechniken der Vergangenheit.