László Moholy-Nagy

geboren 1895 in Bácsborsód, Ungarn; gestorben 1946 in Chicago, USA

Biografie

1913–1918 Jurastudium

1918 Hinwendung zur Malerei

1919 Umzug nach Wien, 1920 nach Berlin

1921 Heirat mit der Fotografin Lucia Schulz, Trennung 1929

1922 erste Einzelausstellung in der Galerie Der Sturm in Berlin

1923 wird Moholy-Nagy als Formmeister der Metallwerkstatt und Leiter des Vorkurses zum Nachfolger von Johannes Itten am Bauhaus in Weimar

bis 1928 Lehrtätigkeit in Weimar und Dessau, dort auch Assistent von Walter Gropius, mit dem er ab 1924 Herausgeber der Bauhausbücher ist

1928 nach Beendigung der Lehrtätigkeit am Bauhaus Gründung eines eigenen Ateliers in Berlin; zweite Heirat, mit Dorothea Pietzsch (Künstlername: Sibyl Peach), einer Dramaturgin, Schauspielerin, Kunsthistorikerin und Architekturkritikerin

1933 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Glaswerk Schott & Gen in Jena als Grafikdesigner

1934 nach der Machtergreifung Hitlers Berufsverbot und Emigration über Amsterdam nach England (1935–1937) und anschließend in die USA

1937 Gründung des New Bauhaus in Chicago, aus dem später das Institute of Design hervorgeht

Bildende Kunst

Bildende Kunst

László Moholy-Nagy zählt zu den Pionieren der Arbeit mit neuen Medien. Er beginnt als Maler, wo er unter anderen von Kasimir Malewitsch, der De-Stijl-Bewegung, dem Konstruktivismus und Kurt Schwitters beeinflusst ist, und arbeitet zeitlebens immer wieder in diesem Medium. Sein künstlerisch wichtigstes Feld wird jedoch die Fotografie, wo er in den 1920er-Jahren zum Promotor des Fotogramms wird, einer kameralosen Fotografie durch direkte Belichtung von Objekten auf lichtempfindlichen Materialien. Er erarbeitet theoretische und praktische Grundlagen zur Durchsetzung dieser Methode.

Ebenfalls in den 1920er-Jahren entstehen Moholy-Nagys Telefonbilder, die als frühe Beispiele der Medienkunst gelten. Es sind Emailbilder, für deren Gestaltung der Künstler eine Schilderfabrik per Telefon instruiert.

Als Grafikdesigner verantwortet Moholy-Nagy unter anderem die Werbekampagne für das von Wilhelm Wagenfeld entworfene Jenaer Glas, welches zu einem Inbegriff moderner Warenkultur wird.

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Dem Licht als Phänomen, dessen Brechung, Reflexion sowie fotografischer Fixierung gilt Moholy-Nagys besonderes Interesse. Es ist auch in seinen Filmen ein zentraler Faktor. Programmatische Überlegungen veröffentlicht er 1925 in der Reihe der Bauhausbücher unter dem Titel Malerei, Photographie, Film.

Mit seinem Licht-Raum-Modulator (1922–1930), einem Objekt, mit dem in abgedunkelten Räumen Licht-und-Schatten-Spiele an der Wand erzeugt werden können, präfiguriert er mittlerweile gängige Requisiten der Lichtinszenierung.

Autor_in: Doris Leutgeb

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Musik

Musik

László Moholy-Nagy ist weder Musiker noch Komponist, doch erstreckt sich sein Interesse an der Arbeit mit neuen technischen Möglichkeiten auch in diese Bereiche. Wie schon die italienischen Bruitisten sieht er Ton und Geräusch als ebenbürtig und unternimmt Versuche mit neuen Medien, um das Klangspektrum zu erweitern. Dabei entwickelt er das Konzept, Schallplatten durch Ritzen zu bearbeiten, um so beim Abspielen – analog der kameralosen Fotografie – Klänge auf direktem Weg zu erzeugen.

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Im Juli 1923 veröffentlicht Moholy-Nagy in der Monatsschrift Der Sturm seinen Text »Neue Gestaltung in der Musik, Möglichkeiten des Grammophons«, in dem er seine Ideen zur »Erneuerung der Tongestaltung« durch Ritzen von Schallplatten darlegt. Er schlägt »vor, aus dem Grammophon als […] einem Reproduktionsinstrument ein produktives zu schaffen, so, dass auf der Platte ohne vorherige akustische Existenzen durch Einkratzen der dafür nötigen Ritzschriftreihen das akustische Phänomen selbst entsteht. […] Durch das Feststellen eines Ritzschrift-ABC ist das Generalinstrument geschaffen, das alle bisherigen Instrumente überflüssig macht. […] Der Komponist kann seine Komposition selbst schon auf Platte reproduktionsbereit schaffen, also ist nicht angewiesen auf das absolute Können des Interpretierenden.«

Beispielhaft realisiert Moholy-Nagy eine Ritzschrift auf einer Grammofonplatte und veröffentlicht das Ergebnis in Form einer Fotografie. Mit seiner Idee wird er zum Vordenker einer Methode, die ab den 1970er-Jahren unter dem Namen Scratching populär werden sollte. Der bildende Künstler und Komponist Christian Marclay entwickelt das Scratching unter dem Einfluss der Fluxus-Bewegung weiter und erzielt durch seine direkte Bearbeitung von Platten und Plattenspielern, die bis zu deren Zerstörung geht, extensive Soundeffekte. Marclay gilt als Miterfinder spezieller Turntables (mit Direktantrieb), die eine grobe Behandlung zulassen. Im DJing der Hip-Hop-Kultur ist Scratchen ein fester Bestandteil.

Autor_in: Doris Leutgeb

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

László Moholy-Nagy, Fotografie einer bearbeiteten Grammofonplatte, 1920er-Jahre

Foto: von Löbbecke


László Moholy-Nagy, Fotografie einer bearbeiteten Grammofonplatte, 1920er-Jahre