Les Reines Prochaines

gegründet 1987 in Basel

Biografie

Die Künstlerinnenband Les Reines Prochaines (»Die nächsten Königinnen«) wurde 1987 von Teresa Alonso, Regina Florida Schmid und Muda Mathis gegründet. Ein Jahr später kamen Fränzi Madörin und Pipilotti Rist dazu und im Weiteren Gabi Streiff, Sus Zwick, Sibylle Hauert, Michèle Fuchs und Barbara Naegelin. Der Fokus der Gruppe liegt auf »Bühne mit Programm«, Musik und Performance. In wechselnder Formation und stets in Kooperation mit anderen treten die »Königinnen« im Kunst- sowie Musikkontext und im Zusammenhang mit Frauenthemen auf.

Der Kampf der Jugendszene für ein autonomes Kulturzentrum in Basel war der Boden, auf dem sich Les Reines Prochaines gründeten. Wie andere Künstler_innen wollten sie die Räume des Gebäudes der alten Stadtgärtnerei mit ihrer Arbeit neu zu besetzen. »Sich selber überwinden, gegen den eigenen Schweinehund anzukämpfen, aber natürlich auch die Freundschaft und Zusammenarbeit, das war für uns auch ein Beruf. Man tat es nicht um des Geldes willen, sondern um die Arbeit in den Griff zu kriegen, um Forschung zu betreiben, um neue Lieder zu kreieren. Um Schwierigkeiten zu überwinden, nicht aufzugeben, wenn es Missverständnisse gibt. Das empfanden wir als unsere Arbeit.« (Pipilotti Rist) Die Künstlerinnen waren nicht auf der Suche nach einer bestimmten Frauenästhetik, wollten aber erforschen, was Frauen durch Zusammenarbeit erreichen, welche künstlerische Sprachen sie entwickeln können. »Und wir wussten – das nimmt uns niemand ab, das müssen wir tun, das ist unser Auftrag.« (Muda Mathis)


Muda Mathis
geboren 1959 in Zürich, lebt in Basel

1986–1988 Studium der audiovisuellen Kommunikation (Videokunst) an der Schule für Gestaltung in Basel

1988 Mitbegründerin der Atelier- und Produktionsgemeinschaft VIA Basel

Seit 1990 in Produktions- und Lebensgemeinschaft mit Sus Zwick

1996–2017 Lehrtätigkeit an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel

International aktiv mit audiovisuellen Produktionen, Installationen, Performances und Auftritten in Bands


Pipilotti Rist
geboren 1962 als Elisabeth Charlotte Rist in Grabs, Schweiz, lebt in Zürich

1982–1986 Studium der Gebrauchs-, Illustrations- und Fotografik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien

1986–1988 Studium der audiovisuellen Kommunikation (Videokunst) an der Schule für Gestaltung in Basel

1997 Ernennung zur künstlerischen Leiterin der Schweizer Landesausstellung Expo.01, nach 14 Monaten Rücktritt von diesem Amt

2002 Lehrtätigkeit an der University of California, Los Angeles

2009 erster Spielfilm, Pepperminta

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Die im Kunstbereich bekanntesten Bandmitglieder von Les Reines Prochaines, Muda Mathis (Mitglied seit 1987) und Pipilotti Rist (Mitglied 1988 bis 1994), arbeiten vornehmlich in den Bereichen Video und Performance. Wesentliche Themen sind der menschliche Körper (insbesondere der Frau), Sexualität sowie der Differenz der Geschlechter.

Rists Videos zeichnen sich durch betonte Sinnlichkeit und scheinbare Naivität aus und sind oft mit Musik kombiniert. Mit Dada, Fluxus und Punk als Vorbildern gilt es, die herkömmlichen Frauenbilder ebenso auf den Kopf zu stellen wie etablierte Kunstvorstellungen. Unfertiges, Peinliches und Experimentelles wird als künstlerisches Gegenkonzept zur »sinnentleerten Hochglanzkunst« verstanden, Dilettantismus als Stärke und nicht als Unvermögen.


»Es gibt den naiven Wunsch, Kunst nicht nur für Eingeweihte zu machen, sondern für ein breites Publikum. Eine solche Sehnsucht gibt es. Wobei ich auch Grenzen sehe, auch bei Les Reines Prochaines gibt es Grenzen, und die sind auch nicht schlimm und auch nicht schlecht.« (Muda Mathis) Kunst, so betont Mathis, müsse ein Wagnis sein, nicht Wiederholung von dem, was es bereits gibt, sondern Erfindung von einer Welt, die man möchte.

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Autor_in: Claudia Ehgartner

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Musik

Musik

»Musik durfte man immer machen – gegen bildende Kunst gab es einen gewissen Dünkel, weil diese eine Sache des Establishments ist. Musik nicht, die ist wertfrei. Musik gibt es für alle.« (Muda Mathis) Bei den multimedialen Performances, Konzertprogrammen, Tonträgern und Videobändern von Les Reines Prochaines ist die Musik stets die Basis, um die alles kreist. Das Alltägliche, das Mythologische und Physikalische, Popkultur und eigene Kindheit dienen der Band als formale und inhaltliche Inspirationsquelle. Sie beschreiben ihre Kompositionen als »minimalistisch, radikal sparsam und luxuriös einfach«. Die Texte der Songs werden in unterschiedlichen Sprachen gesungen, in kollektiver Autorschaft erstellt und haben einen hohen Stellenwert. Dazu spielen Synthesizer, Sequenzer, Bass, Schlagzeug, Akkordeon, Gitarre, Klarinette, Trompete, Querflöte, aber auch Spielzeuginstrumente und Kleinpercussion aus einfachen Gebrauchsgegenständen ihre Rollen. »Die Instrumente sind nicht in fester Hand, alle Königinnen spielen alles, aber einige Königinnen spielen einiges nicht. Les Reines Prochaines kommen aus der abendländischen Performancetradition und betreiben den professionellen Dilettantismus als künstlerisches Konzept.« (Bandwebsite)

In der Ausstellung

In der Ausstellung

Les Reines Prochaines

Das zornige Lamm, Konzert zur Demonstration anlässlich des Internationalen Frauentags, Parkgarage, Luzern,
8. März 1989, mit Teresa Alonso (voc., melodica, keyboard), Fränzi Madörin (voc., bass guit., dr. ), Muda Mathis (voc., accordion, keyboard, bass guit. ), Pipilotti Rist (voc., dr., bass guit.), Regina Florida Schmid (voc., dr., guit., bass guit., accordion), 7:17 min

Courtesy: Muda Mathis + Sus Zwick