Markus Oehlen

geboren 1956 in Krefeld; lebt in München

Biografie

1971–1973 Lehre als technischer Zeichner

1976–1982 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi

1977–1987 Schlagzeuger in diversen Bands der deutschen Punk- und New-Wave-Szene sowie eigene Musikprojekte

Ab 1977 erste Ausstellungen als Maler und Bildhauer
ab 1982 unter anderem in den Galerien Max Hetzler (Stuttgart, Köln, Berlin), Peter Pakesch (Wien), Bärbel Grässlin (Frankfurt am Main), Hans Mayer (Düsseldorf) und Gerhardsen Gerner (Berlin, Oslo)

Ab Mitte der 1990er-Jahre Beteiligung an den Bandprojekten Jailhouse und Van Oehlen

Seit 2002 Professur an der Akademie der Bildenden Künste München

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Markus Oehlens erste Einzelausstellung findet 1977 in Konrad Fischers legendärem (Kunst-)Raum in der Düsseldorfer Neubrückstraße statt. Weitere Malereischauen, vielfach im Umfeld der Neuen Wilden beziehungsweise der Gruppe rund um seinen Bruder Albert Oehlen, Martin Kippenberger und Werner Büttner, sollten alsbald folgen. Markus Oehlen, zu der Zeit ganz der Haltung der in Deutschland noch jungen Punkbewegung verpflichtet, legt seine Malerei – ähnlich wie die damalige Musik – bewusst dunkeltönig, grob und skeletthaft an. In den großteils abstrakten Kompositionen sind meist mehrere, nicht deckungsgleiche, teils radikal divergierende Schichten übereinandergelegt, auf denen mit markanten Strichen gesetzte, umrisshafte Konturen hervortreten.

Im Lauf der Zeit beginnt Oehlen auch immer mehr, mit figurativen Elementen zu experimentieren, deren Formen jedoch stets im bloß Angedeuteten verharren. Dazu kommen später vielfach auch grafische beziehungsweise medientechnische Anleihen (etwa gemalte Bildraster, Videozeilen oder Moirés), die Oehlen mit ruppigem, wiewohl integrativem Gestus in seine Leinwände aufnimmt. Auch bemalte, schwungvoll deformierte Skulpturen, häufig auf Styropor- oder Aluminiumbasis, sind Teil seines Repertoires, das sich über die Jahrzehnte ständig erweitert, ohne seinen ursprünglich von Punk gespeisten Impetus zu verlieren.

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Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

Markus Oehlen kommt 1977 als Student an der Düsseldorfer Kunstakademie mit der aufkeimenden deutschen Punkszene, die sich im Umfeld des Lokals Ratinger Hof gebildet hat, in Kontakt. Er spielt zunächst »Trommlung« bei der kurzlebigen Formation Deutschland Terzett, um fortan bei der bahnbrechenden Formation Mittagspause als Schlagzeuger zu fungieren. Nach zwei Singles (1979), die heute noch als Meilensteine der deutschen (Post-)Punkszene gelten, und der Auflösung von Mittagspause verfolgt Oehlen verschiedene Musikprojekte mit wechselnder Besetzung. Mit den Vielleichtors, wo er neben Schlagzeug auch Gitarre und Keyboard spielt, ergeht er sich in schleppenden New-Wave-Grooves. Den genial-dilettantischen Hang zum Multiinstrumentalismus bekundet auch seine Beteiligung an den All-Star-Projekten LSDAP/AO und Flying Klassenfeind (1981/1982), letzteres ebenso wie das von Oehlen mitgetragene Künstler-LP-Projekt Rache der Erinnerung (1984) auf Coverversionen von Popklassikern spezialisiert. 1985 bringt er mit Beer Is Enough seine erste im Alleingang eingespielte Single heraus, der unter den Pseudonymen Don Hobby (1998) oder mit der Electronic-Komposition Wanne 4 (2015) in unregelmäßigen Abständen weitere Soloreleases folgen. Als Kurt Striebe nimmt Oehlen gemeinsam mit Werner Büttner die LP Lousy Days Are Here to Stay (1987) auf, bevor er ab Mitte der 1990er-Jahre zusammen mit seinem Bruder Albert in den Bands Van Oehlen und Jailhouse (letztere mit Rüdiger Carl) verstärkt dem elektronisch-perkussiven Free-Form-Improvisationsspiel nachgeht.

In der Ausstellung

In der Ausstellung

Markus Oehlen

One and One / Eins und Eins, 1984, mit Markus Oehlen (voc., guit., b., perc. sax., synth.), 3:17 min

Film: Ute Kampmann

1984 schuf ein Hamburger Produzent_innenteam (Ute Kampmann, Thomas Meins, Tim Renner) das Videomagazin Für eine Handvoll D-Mark, bestehend aus vier eigens produzierten Musikclips. Im ungarisch anmoderierten Teil von Markus Oehlen sieht man diesen den Song »One & One Is One« covern, mit dem die englische Band Medicine Head 1973 einen großen Hit gelandet hat. Die Coverversion, die in Oehlens Fassung auch auf dem Künstlerplattenprojekt Die Rache der Erinnerung (1984) enthalten ist, besticht durch ihr hartnäckig durchexerziertes Soloprinzip. Oehlen spielt sämtliche Instrumente selber, was abwechselnd in die psychedelische Schraffur des immer wieder die Farbe wechselnden Settings eingeblendet wird. Als würde der Songtitel beim Wort genommen, verdoppelt und verdreifacht sich der solitär vor sich hin schrammelnde und polternde Musiker – und wird dabei doch nie ganz »eins« mit sich selber, wiewohl Oehlens Outfit sogar im gleichen Stoffmuster gehalten ist wie der tapetenhaft eingeblendete Hintergrund. So wie die Instrumentalspuren der schrägen Coverversion asynchron zu laufen scheinen, so kommen auch die mittels Videotechnik geschaffenen Pendants nie ganz zur Deckung. Kurzum: eine sich selbst dekonstruierende Verschmelzungsfantasie.

Autor_in:

Christian Höller