Monoton

aktiv ab 1979

Biografie

Konrad Becker
geboren 1959 in Wien; lebt in Wien

Konrad Becker ist Medienforscher, Aktivist, Autor, Schauspieler, Musiker, Komponist und Produzent und Veranstalter im Bereich Kunst und elektronische Medien.

Er begann seine Karriere in den späten 1970er-Jahren zeitgleich in mehreren Feldern, war als Schauspieler, Musiker und Filmemacher tätig, während er als Künstler genreübergreifende installative Environments schuf. In diese frühen Multimediainstallationen, die Becker in den 1980er-Jahren weiter ausbaute, waren Malerei und Grafik ebenso eingebunden wie Diaprojektionen, Videos und Liveperformances.

Ab Beginn der 1990er-Jahre leistete Becker – die meiste Zeit über auch als Musiker aktiv – Pionierarbeit in Sachen Internet- und Digitalkultur.

Mit der Gründung von t0 – Institut für neue Kulturtechnologien (1993) und Public Netbase (1994) initiierte Becker Foren der Auseinandersetzung mit Netz- und Cyberkultur, was später mit der Einrichtung der Plattform World-Information.org seine Fortsetzung fand.

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Konrad Beckers künstlerische Aktivitäten waren von Beginn an in der Überschneidungszone von Malerei, Grafik, Musik, Performance, Film und deren Bündelung in verdichteten installativen Settings angesiedelt. Unter den Projektnamen Monoton, Gesellschaft für Wissenschaft und Volkstanz beziehungsweise Wissenschaftliche Sensation schuf Becker genreübergreifende situative Events in eigens dafür ausgestalteten Räumen, sei es in Galerien, Fabrikhallen oder Musikclubs. Teil dieser frühen Multimediagigs waren Licht-, Dia- und Videoprojektionen auf häufig piktogrammartig bemalte Wände. Mit Neon, TV-Monitoren und Super-8-Filmloops ausstaffierte »begehbare Gemälde«, Installationen im öffentlichen Raum sowie ganze Multimediaopern (Parzival, 1984) ergänzten das Spektrum von Beckers kontinuierlicher medialer Erweiterungsbestrebung. Ab Mitte der 1980er-Jahre schuf Becker, mit früher Computersoftware operierend, immer engmaschigere synästhetische Produktionen, bei denen digitale Visuals und elektronisch generierter Sound kongenial ineinandergriffen.

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Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

1979 gründete Konrad Becker die Formation Monoton, der anfangs auch die Künstlerin Eugenia Rochas und der Musiker Albert Griemann angehörten. Unter dem Markennamen Monotonprodukt erschien 1980 die erste, titellose LP (Monotonprodukt 02). In monochromem hellblauem Cover und roter Innenhülle, auf der Notenlinien die einzige (minimalistische) Musterung darstellen, stellte die Platte eine Art Gründungsstatement der frühen Elektronikszene in Österreich dar. Zwei Jahre später – Becker war zwischenzeitlich auch mit dem Musikprojekt Wissenschaftliche Sensation aktiv – erschien die zur Gänze in Schwarz (mit weißen Notenlinien) gehaltene Doppel-LP Monotonprodukt 07. Den Großteil der Stücke bilden minimale, Trancezustände suggerierende Soundflächen, produziert auf damals gerade erschwinglich gewordenen Minisynthesizern, Sequencern und anderen elektronischen Effektgeräten. Halbe Plattenseiten füllende Stücke wie »Tanzen und Singen« oder »Wasser« ergehen sich in betörenden Endloswiederholungen, verbal unterfüttert von mantrahaft repetierten Sätzen (»Ein Fisch schwimmt im Wasser«). »Die körperliche Existenz von Leben erfahren wir als Vibration bzw. Rhythmus bzw. Licht«, schrieb Becker im Begleittext und siedelte Monoton damit im Übergangsbereich von »Mathematik, Vibrationsforschung und Psychosomatik« an. Diese Art Psycho- und Klangforschung wurde in Projekten wie der »achtstündigen öffentlichen Abtragung der Schallmauer« (Konstante Vibration, Juni 1981, in der Virgilkapelle unter dem Wiener Stephansdom) oder auf einer »Frequenzkonferenz« (Galerie Graffity Wien, April 1982) konsequent fortgesetzt.

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Die Grenzbereiche von früher Technomusik, computergenerierter Psychoakustik und der in den 1990er-Jahren zu ihrem Siegeszug ansetzenden Electronic-Dance-Culture hat Becker in Folgeprojekten wie Mantron, Synsation oder Public Tranceport weiter ausgelotet.

Autor_in: Christian Höller

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Monoton

Mantron – The Tokyo Tape, 1989–1991, mit Konrad Becker, zusätzliches Schlagzeug und Gesang: Z’EV (Stefan Weisser), 53:50 min

1991 trat Konrad Becker gemeinsam mit dem US-amerikanischen Künstler und Percussionmusiker Z’EV (bürgerlicher Name: Stefan Weisser, 1951–2017) im Rahmen einer Multimediaperformance in Japan auf. The Tokyo Tape, im Anschluss daran entstanden, kombiniert Aufnahmen der beiden Musiker mit den dabei verwendeten Visuals. Ergebnis ist ein sogartiger Bilderstrom, der tief in die damals neuen, sich eben erst erschließenden kybernetischen Räume mit all ihren Bild-, Piktogramm-, Grafik- und Geometriekrümmungen hineinführt. Zu insgesamt zehn Techno- beziehungsweise Electro-Tracks mit stark perkussiven Akzenten (und immer wieder in den Vordergrund drängenden fernöstlichen Motiven) wird auf der Basis digitaler Icons ein unermüdlich pochendes, mutierendes und sich in immer neue Raumkonstrukte verschachtelndes Pluriversum aufgespannt. Beckers durchgehende Textsuada gleitet auf dem Strom, während Z’EV weichmetallene rhythmische Elemente beimengt. Das Ergebnis ist »visuelle Musik« im besten Sinne, mit großer technischer Verve in die damalige Gegenwart gepflanzt, ohne dabei einer Fetischisierung des technisch Möglichen anheimzufallen. Am Ende hat man Galaxien bereist, wurden Räume und Welten aufgerissen – auch wenn diese, der damaligen Zeit entsprechend, bloß die temporär-autonomen Imaginationssphären der Techno-Heads und Psychonaut_innen waren.