Stephen Prina

geboren 1954 in Galesburg, Illinois

Biografie

1977 Bachelor of Fine Arts an der Northern Illinois University

1978–1980 Masterstudium (Malerei und Komposition) am California Institute of the Arts (CalArts), dort Schüler von Michael Asher

1980–2003 Lehrtätigkeit am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien

1992 Teilnahme an der documenta IX

Seit 2004 Professur in Harvard

2008 Teilnahme an der Whitney-Biennale

Lebt in Los Angeles und Cambridge, Massachusetts

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Stephen Prinas Arbeiten in den Medien Malerei, Performance, Installationen, Film und Fotografie sind grundsätzlich einem konzeptuellen Ansatz verpflichtet. Ehemals Student von Michael Asher, beschreibt er sich selbst ironisch als »post-conceptualist« beziehungsweise spricht von »impure conceptual art«, die der historischen Konzeptkunst nur durch dezidierte Abweichungen verbunden bleibt.

Kennzeichnend für sein Schaffen ist eine analytische Auseinandersetzung mit Werken anderer Künstler_innen, die er nach von ihm erstellten Kriterien transformiert beziehungsweise systematischen Ordnungsprinzipien unterwirft und in anderen Kontexten neu präsentiert. Mit dieser Form der Aneignung reflektiert er deren Produktions- und Rezeptionsbedingungen ebenso wie die historisch wechselnden Konditionen von Bedeutungszuschreibungen. Auch gliedert er die Werke in persönliche Narrative ein.

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In seiner 1988 begonnenen und immer noch weitergeführten Werkserie Exquisite Corpse: The Complete Paintings of Manet bezieht sich Prina auf das 556 Werke umfassende Œuvre des französischen Malers. Dabei »entleert« er die zitierte Referenz buchstäblich, indem er von jedem Bild nur noch das jeweilige Format aufgreift und die Bildinhalte durch monochrome Flächen aus Sepiatusche ersetzt. Diese Übertragungen im Verhältnis eins zu eins kombiniert er mit einem als Multiple aufgelegten Index, auf dem die Formate sämtlicher Bilder Manets in verkleinertem Maßstab aufgereiht und ihrer Chronologie entsprechend nummeriert sind. Damit gliedert er das Einzelwerk wieder in den Zusammenhang des Gesamtœuvre ein beziehungsweise macht seine Position darin (hinsichtlich Titel, Entstehungszeit, Besitzer et cetera) bewusst. In Ausstellungen zeigt er in der Regel drei solcher Gegenüberstellungen. Auf diese Weise kontextualisiert er Manets Bilder nicht nur innerhalb von dessen Werk, sondern rekontextualisiert sie auch innerhalb des spezifischen Gefüges der jeweiligen Präsentation.

Für eine Ausstellung in der Wiener Secession entstand 2011 die Installation As He Remembered It. Dafür baute Prina 28 Möbel aus zwei nicht mehr existierenden Häusern nach, die der aus Wien stammende und in Los Angeles tätige Architekt Rudolph Schindler (1887–1953) in den 1940er-Jahren entworfen hatte. Auslöser dieser Arbeit war eine »zufällige« Begegnung des Künstlers mit einem von Schindler entworfenen Schreibtisch in der Auslage eines Geschäftes in Los Angeles. Die ehemalige Besitzerin hatte dieses Einbaumöbel aus seinem Kontext gerissen und das »Fragment« pink angemalt. Dieser Aneignung folgend, strich Prina alle nachgebauten Möbel aus den abgerissenen Schindler-Häusern in standardisiertem Pink, nämlich »Pantone Honeysuckle 2011 Color of the Year«, und stellte sie, einem speziellen Raster folgend, wie in einem Möbellager dicht aneinander.

Autor_in: Lena Nieper

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Musik

Musik

Stephen Prina ist teilweise als Musiker noch bekannter denn als bildender Künstler. Schon in seiner Geburtsstadt Galesburg spielt er in einer Band Gitarre. In Los Angeles, wohin er 1978 übersiedelt, um am California Institute of the Arts zu studieren, lernt er Mike Kelley und dessen Frau, die Choreografin Anita Pace, kennen, mit denen er später die Performance Beat of the Traps realisiert. Während Musik in seinem Kunstschaffen schon immer latent ein Thema ist, erfolgt in den 1990er-Jahren eine dezidierte Hinwendung zur musikalischen Performance, die er beständig weiterführt, unter anderem mit der Band The Red Krayola, mit der er 1999 das Album Fingerpainting einspielt.

In der Ausstellung

In der Ausstellung

Stephen Prina, Sonic Dan, 1994

The Mackey House (MAK), Los Angeles, 2001, mit Stephen Prina, 1:31:04 h.

Film: Anita Pace

Die 1994 im Lunapark Los Angeles uraufgeführte Arbeit Sonic Dan ist wegweisend für Prinas Schaffen. Er überträgt in diesem ersten Solowerk seine konzeptuellen Strategien auf das Medium der musikalischen Performance. Sonic Dan verbindet Hoch- und Popkultur, um deren Differenz zu thematisieren und gleichzeitig obsolet werden zu lassen. Am Beginn steht eine Einspielung der Streichquartette Anton Weberns, gefolgt von Songs der Avantgardepopmusikband Sonic Youth sowie der kalifornischen Jazzrockband Steely Dan, die sich Prina aneignet, indem er sie selbst zur Akustikgitarre singt.

2001 entsteht eine Aufnahme dieser Arbeit im Hof hinter dem von Rudolph Schindler entworfenen Mackey House in Los Angeles, das vom Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) als Residenz für Stipendiat_innen und Ausstellungshaus genutzt wird. Das Video zeigt nicht die Musizierenden, sondern zwei wie zu Discomusik tanzende Figuren, Minnie und Mickey Mouse, gekleidet wie Astronaut_innen in silbernen Jumpsuits mit Regenbogen. Auch Prina selbst trägt bei seinen Performances immer wieder Jumpsuits. Die Figuren stammen aus der umfangreichen Sammlung von Disney-Objekten des Künstlers Félix González-Torres, der sie Prina testamentarisch vermacht hat. Während der Aufführung stehen sie auf Prinas Fender-Rhodes-E-Piano und stellen einen Bezug zum Ort der Performance her, wo zu diesem Zeitpunkt gerade eine Lichtinstallation von González-Torres Teil der Ausstellung ist.

Autor_in:

Lena Nieper