Suicide

1970 gegründet

Biografie

Die Band Suicide wurde 1970 von Alan Vega und Martin Rev zusammen mit dem Gitarristen Paul Liebgott gegründet, der 1971 durch Mari Reverby am Schlagzeug ersetzt wurde. Nach anfänglichen Erfolgen löste sich Suicide 1973 vorerst auf.

1976 nahmen Rev und Vega den Faden wieder auf und avancierten zur Stammband des New Yorker Punk-Clubs CBGB’s.

1977 veröffentlichten sie ihr Debütalbum Suicide. Diese gemeinsame zweite Zusammenarbeit hielt bis 1992.

1998 vereinten sich Rev und Vega für eine Neuveröffentlichung ihres Albums Suicide.

2002 feierten sie mit dem Album American Supreme ihr Comeback.


Alan Vega

geboren 1938 als Boruch Alan Bermowitz in Brooklyn, New York, gestorben 2016 in New York

In den 1960er-Jahren Studium am Brooklyn College of Art, unter anderen bei Ad Reinhardt

(Abschluss 1967) und Engagement in der Art Workers Coalition

1969 Mitbegründer der selbstverwalteten Multimedia Galerie MUSEUM – A Project of Living Artists


Martin Rev

geboren 1947 als Martin Reverby in Brooklyn, New York

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Alan Bermowitz begann seine Künstlerkarriere in den späten 1960er-Jahren im Alternative-Milieu der New Yorker Downtown-Szene. Er schuf Lichtskulpturen und -installationen, die er erstmals 1969 im von Künstler_innen betriebenen, selbstverwalteten MUSEUM – A Project of Living Artists ausstellte. Es folgten Einzelausstellungen in der Galerie OK Harris (betrieben von Ivan Karp), wo Bermowitz 1970, 1972 und 1973 dieselben Werke – Ensembles aus Glühbirnen, Neonröhren und Lichterketten – in unterschiedlicher Weise immer wieder neu präsentierte. Die kreuz und quer ineinander verwickelten Leuchtkörperarrangements, entweder »wild« auf dem Boden ausgebreitet oder erratisch von der Decke hängend, stellten eine Art expressives Pendant zu den Leuchtobjekten der Minimal Art dar.

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Bermowitz war zudem als Zeichner tätig, wobei das Markenzeichen seiner Porträts ein an Stacheldraht gemahnender, zackig-zittriger Strich war. Neben grafisch bearbeiteten Fotowerken gestaltete er auch Magazine (Art-Rite 13, 1977) und später Bücher (Deuce Avenue War: The Warriors V3 97, 1990).

Der kommerzielle Erfolg sollte Bermowitz’ Kunst zeit seines Lebens versagt bleiben, wiewohl er in den 1980er-Jahren bei Barbara Gladstone – zumeist Mixed-Media-Installationen in Form von Kreuzen – und 2002 bei Jeffrey Deitch ausstellte. 2009 richtete das MAC Lyon noch zu Lebzeiten eine umfassende Retrospektive seiner insgesamt fünf Jahrzehnte umspannenden künstlerischen Laufbahn aus.

Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

Ein Musikprojekt, das Bermowitz 1970 zusammen mit dem jungen Jazzkeyboarder Martin Reverby startete, sorgte für ungleich mehr Furore als sein bildnerisches Schaffen. Suicide nannte sich das unkonventionelle Duo, das sich (anfangs noch im Trio mit dem späteren Filmemacher Paul Liebegott) im genresprengenden Gefüge des MUSEUM – A Project of Living Artists zusammenfand. »Punk Music by Suicide«, so annoncierten sie ihre ersten Konzerte, für die sich die beiden die provokanten Namen Alan und Marty Suicide gaben. Der konfrontative Gestus des Duos – minimalistisch-repetitive Synthesizer-Loops mit exaltiert-eruptivem Gesang – spiegelte indirekt den damals allseits spürbaren Niedergang der US-amerikanischen Kultur wieder. Der nach wie vor tobende Vietnamkrieg, zurückgekehrte, teils versehrte Veteranen, der Verfall der Städte, anhaltende ethnische Spannungen – all das kam in der zunächst eher flächig angelegten Musik des Duos zum Tragen. Titel wie »Junkie Jesus«, »Methedrine Mary« und später »Ghost Rider« oder »Frankie Teardrop« bekundeten das Ansinnen, den »Dreck« und die unliebsame Realität der Straße in den Kunst- beziehungsweise Konzertraum zu holen – so wie Bermowitz dies in seinen Ausstellungen auch mit allerlei gefundenem Gerümpel machte. Nicht selten führte dies bei Konzerten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit dem (meist spärlichen) Publikum.

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Dennoch sollte sich Suicide über die Jahre – die beiden Musiker hatten sich inzwischen die neuen Pseudonyme Alan Vega und Martin Rev gegeben – zu einer der einflussreichsten Blaupausen für Punk und die New Yorker Downtown-Musik entwickeln. 1977 brachten sie ihr erstes Album heraus, auf dem Cover Vegas ikonische Darstellung des Namens »Suicide« über Farbrinnsalen in Rot und Schwarz, die Blutspuren. Ab diesem Zeitpunkt gelangten Vega und Rev sukzessive zu immer größerer, auch internationaler Bekanntheit, es folgten sogar kleinere Hits wie Dream Baby Dream (1979). Mit Unterbrechungen blieb Suicide, neben ihren jeweiligen Soloprojekten, bis in die 2000er-Jahre aktiv, wobei das Duo seinen herausfordernden Gestus stets beibehielten.

Autor_in: Christian Höller

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Suicide, Universal Amphitheater, Los Angeles, 4. 9. 1979, mit Alan Vega (voc.), Martin Rev (synth.), 9:37 min

Film: Ric Ocasek, Edited: Jared Artaud, Courtesy of Saturn Strip, Ltd. and Revega Music Co.

Ein Konzertausschnitt aus dem Jahr 1979 gibt beredtes Zeugnis vom Unverständnis und der Ablehnung, die Suicide erfuhr. Die Künstler traten damals als Vorgruppe der kurz zuvor enorm erfolgreich gewordenen New-Wave-Rocker The Cars auf (deren Frontmann Ric Ocasek war ein großer Fan von Suicide und produzierte zu der Zeit einige ihrer Platten). Schon das erste enthaltene Stück, der Lovesong Cheree, stieß beim Publikum auf keine besondere Gegenliebe. Vega, mit seinem charakteristischen, an Vietnamveteranen erinnernden roten Bandana, und ein immer verkniffener wirkender Rev, mit der für ihn typischen Schutzbrille, setzen sich aber hartnäckig den Antipathien der Masse aus. Es hagelte Wurfgegenstände, was die beiden noch entschlossener zum Gegenangriff übergehen ließ. Mit »Fireball«, einem 1980 auf Vegas erster Solo-LP enthaltenen Stück, setzten sie noch eins drauf – und schon wälzte sich ein elektronisch lodernder Feuersturm mit sengenden »Ahs« und »Uhs« über die Meute der Unverständigen.