Wendy Gondeln

aktiv seit 1999

Biografie

Albert Oehlen

geboren 1954 in Krefeld, Deutschland; lebt in Gais, Appenzell, Schweiz

1977–1981 Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Claus Böhmler und Sigmar Polke

2000–2009 Professur an der Kunstakademie Düsseldorf

2015 Ehrendoktorwürde der School of the Art Institute of Chicago

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Albert Oehlen setzt die Malerei an mehreren Fronten einer Konfrontation aus: mit ihrer eigenen Geschichte, mit ihren Klischees ebenso wie mit ihren verpassten Gelegenheiten; und auch mit der Übermacht der Images von Werbe- und Popindustrie. Am Beginn von Oehlens Malerei stehen Einschränkungen und Impertinenzen: Er konzentriert sich auf bestimmte Farben (zumeist muffige Brauntöne), auf abgestandene Symbole (wie den Spiegel) und ideologisch belastete Themen (das Selbstporträt). In den monumentalen Spiegelbildern aus der Mitte der 1980er-Jahre verschränkt er verschiedene Raumkonzeptionen: Flächiger Farbraum, perspektivischer Raum und gespiegelter Realraum verdichten sich zu Szenarien düsterer Schönheit.

Unter dem Schlagwort »postungegenständliche Malerei« unternimmt Oehlen in den späten 1980er-Jahren eine grundlegende Rekonzeptualisierung seines Ansatzes. Programmatisch geht es ihm nunmehr darum, die Oppositionen von gegenständlich/ungegenständlich, Figur/Grund sowie Farbe/Linie zu dekonstruieren. Seine Ausflüge in Popkultur, Werbe-, Trash- und Computerästhetik ebenso wie in die politische Ikonografie werden von ihm strikt in den Gesamtzusammenhang eines durchgestalteten Bildes eingebunden. Diesem Prinzip ist er bis heute treu geblieben.

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Autor_in: Christian Höller

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Musik

Musik

Albert Oehlen war ab 1980, damals noch Student an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, in Neue-Welle-Kreisen aktiv. Als Mitglied der Band Nachdenkliche Wehrpflichtige und später – für das Plattenprojekt Kirche der Ununterschiedlichkeit (1982) – der Formationen LSDAP/AO beziehungsweise Männer in nassen Kleidern machte er sich wahlweise an Saxofon, Violine und Xylofon zu schaffen. Markenzeichen der damaligen, stark in Richtung Noise-Improvisation gehenden Stücke waren ironisch-kalauerhafte Titel wie »Eine Frau, die Karate kann, hat keine Chance gegen einen Mann mit einem Wagenheber von einem Toyota« oder »Als hätte man mir die Muschel ausgedreht« (Männer in nassen Kleidern). Dies sollte sich in den ab 1984 gemeinsam mit Martin Kippenberger verfolgten Musikprojekten The Alma Band, Weiß und Doof und The Knowhow Knockers fortsetzen. 1987 sollte das bewusste Verwirrspiel um Identitäten und Stilaneignungen Ausdruck auf der LP The Golden Kot Quartet finden, worauf Swingjazz, eingespielt von einer Gruppe rund um Rüdiger Carl zu hören ist, während sich Oehlen und Kippenberger zusammen mit Günter Förg und Hubert Kiecol als die vermeintlich echten Musiker ausgeben.

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Oehlen war zu Beginn der 1990er-Jahre kurzzeitig Mitglied der dritten Reinkarnation von The Red Krayola und Mitte der 1990er Teil von Jailhouse (zusammen mit Rüdiger Carl und seinem Bruder Markus Oehlen), bevor er, erneut mit seinem Bruder Markus, das Projekt Van Oehlen startete. Deren CDs We Are Eggsperienced (1998) und Rock and Roll Is Here to Die (2003) bürsteten Jazz- und Rockvorlagen bewusst gegen den Strich des inzwischen elektronisch Möglichen, bevor Oehlen – ganz dem Prinzip der ebenso unermüdlichen wie widerborstigen Kooperation folgend – weitere Gemeinschaftsprojekte initiierte: Titankatzen, Euphrat und Tigris bis hin zu Luke & Wendy, die 2017 eine Hommage an den kurz zuvor verstorbenen Künstler, Musiker und Filmemacher Tony Conrad herausbrachten.

Zwischen 1987 und 2004 betrieb Oehlen das Label Leiterwagen Records, auf dem gut zwei Dutzend Platten von befreundeten Künstler_innen und Musiker_innen erschienen, darunter Jörg Schlick, sein Bruder Markus (als Don Hobby) sowie die Formation Jailhouse.

Seit 1999 verfolgt Oehlen unter dem Pseudonym Wendy Gondeln sein bis dato langlebigstes Musikprojekt, das ganz einem kantig verfremdeten Minimal-Electronic-Ansatz gewidmet ist.

Autor_in: Christian Höller

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Wendy Gondeln

Fracking on a Saturday Night / An einem Samstagabend ausflippen, 2012–2017, Musik: Wendy Gondeln, Film: Albert Oehlen, 2:49 min

Oehlen aktivierte den musikalischen Nom de Guerre Wendy Gondeln – eine witzhaft-missverständliche Bezugnahme auf Nicolas Roegs Horrorfilmklassiker Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don’t Look Now, 1973) – erstmals 1999 für die Remix-Unternehmung Rectangle Rec Recycled. Nach einigen Jahren Pause meldete er sich 2014 mit der Platte Fracking zurück, die, erschienen auf dem Kölner Magazine-Label, in Zusammenarbeit mit dort ansässigen Techno- und Electronic-Altmeistern wie Wolfgang Voigt oder Jens Uwe Beyer entstand. »Fracking with Wolfgang«, ein auf schabenden Violine- und wolkig-verhuschten Orgelklängen basierender »Stampfer«, bildet die Blaupause einer ganzen Reihe von daran angelehnten Bearbeitungen (etwa durch Voigt, mit dem Oehlen 2015 auch die Installation Baum 3 realisierte). Das eigens für die Ausstellung Doppelleben produzierte Video Fracking on a Saturday visualisiert den Track »Fracking with Wolfgang« auf klassisch oehlensche Weise: Im Takt der Musik sieht man abwechselnd ein leinwandfüllendes Magenta-Monochrom und dessen hellgrünes Komplement. Jedes mögliche Nachbild bestätigt und erfüllt sich hier sozusagen selber. Ein Kreis schließt sich und bleibt doch sperrangelweit offen. So wie der Ausdruck »Fracking« irgendwo zwischen »freaking« und »fucking« angesiedelt ist oder vielleicht doch nur ganz trivial das umstrittene Bohrverfahren meint.