Yves Klein

geboren 1928 in Nizza; gestorben 1962 in Paris

Biografie

Sohn eines Künstlerehepaares

1944–1946 École nationale des langues orientales

ab 1947 Judoausbildung in Paris; enge Freundschaft mit Claude Pascal und Arman (Armand Fernandez)

1948 Beginn der künstlerischen Tätigkeit, erste Monotypien; Beitritt zur Gemeinschaft der Rosenkreuzer (Mitglied bis 1952)

1949–1952 mit Claude Pascal Aufenthalt in England und Arbeit als Vergolder; halbjährige Reise nach Irland; weitere Reisen durch Europa sowie nach Japan, wo er in Tokio am Judoinstitut Kodokan die Prüfung für den vierten Dan ablegt; Inspiration durch den Zenbuddhismus

1954 technischer Leiter und Lehrer in der nationalen Judoföderation Spaniens

1955 Rückkehr nach Paris und erfolglose Bewerbung zur Teilnahme am Salon des réalités nouvelles; Freundschaft mit Pierre Restany

1957 erste Anthropometrien

1958/1959 einziger öffentlicher Auftrag: für das Musiktheater in Gelsenkirchen ein großes Ensemble von Schwammreliefs

1960 Mitbegründer der Gruppe der Nouveaux Réalistes, deren erstes (1960) und zweites Manifest (1961) er mitunterzeichnet

Bildende Kunst

Bildende Kunst

Von der Malerei ausgehend, erweitert Yves Klein den Kunstbegriff in fast allen Medien geradezu visionär. Sein in nur acht Jahren entstandenes, vielfältiges Œuvre vereinigt Elemente von Performance, Body-Art und Happening, nimmt Ansätze der Konzeptkunst vorweg und setzt nachhaltige Impulse.

Klein ist der Überzeugung, als Künstler habe er die Fähigkeit, »Sensibilität« in materieller wie immaterieller Form zu verbreiten und über diese eine Teilhabe am »Leben an sich« zu ermöglichen.

Farbe begreift er als »materialisierte Sensibilität« und malt zunächst monochrome Bilder in Orange, Rot, Weiß, Gelb, Violett, Grün und Gold. Zwischen 1957 und 1959 reduziert er seine Palette auf das lichtechte Ultramarinblau und entwickelt zusammen mit einem Chemiker ein spezielles Bindemittel (Rhodopas, ein Polyvinylacetat), das die Körnung des reinen Pigments samt der Leuchtkraft und Sättigung der intensiven Blaufarbe erhält. Diese Erfindung lässt er 1960 als IKB (International Klein Blue) patentieren. In der Folge tränkt er Schwämme in IKB, die er als Verkörperung der Durchdringung mit an die Farbe gebundener »Sensibilität« begreift. Es entstehen monochrom blaue Bilder, Schwammreliefs und Objekte. Ab 1959 ergänzt Klein Blau mit Gold und Rosa zu einer Farbtrilogie, die er für einzelne Werke in monochromer Reinheit verwendet.

Ab 1957 entstehen seine Anthropometrien: Überwiegend weibliche, mit IKB bemalte nackte Körper werden zu lebenden Pinseln, die in Performances in Kleins Atelier, aber auch vor Publikum in Galerien Abdrücke ihrer farbnassen Körper auf Leinwand und Papier hinterlassen.

1958 veranstaltet Yves Klein in der Galerie Iris Clert eine Ausstellung und Eröffnungsperformance, die unter dem Namen Le Vide (die Leere) bekannt wird. Tatsächlich behauptet er allerdings, den leer belassenen Raum als Künstler mit »Sensibilität im Urzustand« – also in immaterieller Form – gefüllt zu haben. Vergleichbar den in Farbe getränkten Schwämmen können Personen dort von dieser immateriellen Sensibilität durchdrungen werden. Im Rahmen eines speziellen Rituals verkauft er diese in der Folge sogar gegen pures Gold (das er daraufhin jeweils zur Hälfte in die Seine wirft).

1960 springt Klein waghalsig aus einem Fenster und publiziert ein Foto dieses »Sprungs in die Leere« am Titelblatt seiner »Eintageszeitung« Dimanche (Sonntag).

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Schon mit 19 Jahren erklärt Yves Klein den Himmel über Nizza zu seinem ersten Kunstwerk. Er signiert diesen imaginativ und empfindet die Vögel als störend.

Klein wird als spiritueller Mensch beschrieben. Geprägt von katholischen Ritualen seiner Kindheit, ist er fasziniert von Selbsterlösungslehren und setzt sich mit der mythisch-christlichen Lehre der Rosenkreuzer ebenso auseinander wie mit dem Zenbuddhismus.

In Sinne des Zen sind auch seine Konzepte der Leere – das Betreten seines Raums der Leere sowie sein Sprung in die Leere – nicht als Eintauchen in das Nichts, sondern in die gesamte Fülle des Lebens zu verstehen. Das bedeutet Ebenbürtigkeit von Körper und Geist, Materiellem und Immateriellem.

Yves Klein arbeitet sehr früh aktiv an der Konstruktion seines eigenen Mythos und begreift dabei sein Leben und sein Werk als untrennbare Einheit. Seine von ihm detailliert geplante katholische Hochzeit mit Rotraut Uecker am 21. Jänner 1962 wird als gelebte Inszenierung seiner künstlerischen Überzeugung quasi aufgeführt.

Autor_in: Doris Leutgeb

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Musik

Musik

Kleins einzige Musikkomposition für Orchester hat herausragende Bedeutung in der Kunst- und Musikgeschichte erlangt. Seine Symphonie Monoton-Silence wird 1947 konzipiert und am 9. März 1960 im Rahmen einer Anthropometrieperformance in der Pariser Galerie Internationale erstmals aufgeführt sowie 1961 in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Louis Saguer niedergeschrieben. Sie besteht aus einem einzigen lang gehaltenen Akkord, der in einer anschließenden konzentrierten Stille nachklingen soll, wobei beide Dauern nicht festgelegt sind, aber gleich lang sein sollten.

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Als junger Mann spielt Yves Klein in Nizza Piano in der Jazzband von Claude Luter. Für seine Frau Rotraut, die Schwester von Günther Uecker, schreibt er das Lied »Viens avec moi dans le vide« (»Komm mit mir in die Leere«, Musikkomposition: Hans-Martin Majewski). Dessen Text ist abgedruckt in Kleins Zeitung Dimanche, 27. November 1960, die nur einmalig, an Rotraut Ueckers 22. Geburtstag, erschien.

Autor_in: Doris Leutgeb

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In der Ausstellung

In der Ausstellung

Yves Klein, Symphonie Monoton-Silence, 1947/1959

San Francisco, Grace Cathedral, 12. 1. 2017, Orchester und Chor dirigiert von Petr Kotik, 41:19 min

Film: Daniel Lichtenberg, Slow Clap Productions © Yves Klein Estate / Levy Gorvy Gallery, New York

Am 12. Januar 2017 fand in der Grace Cathedral in San Francisco eine von der Lévy Gorvy Gallery und den Archives Yves Klein veranstaltete Aufführung von Kleins Symphonie Monoton-Silence statt. Petr Kotík dirigierte die von Klein vorgesehene große Orchesterbesetzung, bestehend aus zwei alternierenden Chören, zehn Violinen und zehn Celli sowie jeweils drei Kontrabässen, Flöten, Oboen und Hörnern.

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Kleins Symphonie Monoton-Silence wurde im Juni 2007 im mumok aufgeführt. Im Rahmen einer großen Yves-Klein-Retrospektive, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou und den Archives Yves Klein, wurde eine Bearbeitung von Christian Utz für Sho (Mundorgel), Shakuhachi (Flöte), Streichtrio, zwei Bassklarinetten, Schlagzeug und acht Stimmen gespielt.

Autor_in: Doris Leutgeb

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Doris Leutgeb